Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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die Hinrichtungen vorzunehmen pflegte, und wo man die Schaffote und Scheiterhaufen errichtete.

Wie das Volk ſtand und auf das Blut ſchaute, welches aus dem Sarge des Königs floß, ſprangen aus der Menge des Volkes zwei Hunde hervor, und mit lechzender Zunge leckten ſie das Blut König Hein⸗ rich des Achten. Das Volk aber floh ſchaudernd und entſetzt nach allen Seiten und erzählte ſich unterein⸗ ander von dem armen Prieſter, der hier auf dieſer ſelben Stelle vor wenig Wochen hingerichtet worden, weil er den König nicht als den Oberherrn der Kirche und den Statthalter Gottes anerkennen wollte; von dieſem Unglücklichen, welcher dem König fluchte und auf dem Schaffot ſagte:mögen einſt die Hunde das Blut dieſes Königs trinken, welcher ſo viel unſchuldiges Blut vergoſſen hat. Und jetzt hatte der Fluch des Sterbenden ſich erfüllt, und die Hunde hatten das Blut des Königs getrunken*).

Als der finſtere Trauerzug den Palaſt von White⸗ hall verlaſſen hatte, als die Leiche des Königs nicht mehr die Säle mit ihrem ſchauerlichen Verweſungs⸗ geruch verpeſtete, und der Hof ſich anſchickte, dem Knaben Eduard als dem neuen König zu huldigen, trat Thomas Seymour, Graf von Sudley in das Gemach der jungen königlichen Wittwe. Er kam im feſtlichen Trauergewande, und ſein älterer Bruder, Eduard Seymour und der Erzbiſchof von Canterbury, Cranmer, gingen ihm zur Seite.

Katharina hieß ſie erröthend und mit einem ſüßen Lächeln willkommen.

Königin, ſagte Thomas Seymour feierlich, ich komme heute, Euch an Euer Gelübde zu mahnen!

*) Hiſtoriſch. Siehe Tytler, pag. 481,