Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Das iſt alſo der Liebesdienſt, den Ihr mir ge⸗ ſchworen? ſagte ſie zähneknirſchend. Ihr ſtehlt Euch in mein Vertrauen, und mit hohnlächelndem Munde erſpäht Ihr die Geheimniſſe meines Herzens, um hin⸗ zugehen und ſie Eurem Buhlen zu verrathen? Um in ſeinen Armen dieſes beklagenswerthen Mädchens zu ſpotten, welches einen Moment ſich von ihrem Herzen betrügen ließ und einen Verbrecher für einen edlen Menſchen hielt? Wehe, wehe Euch, Katharina, denn ich ſage Euch, ich werde kein Mitleid haben mit der Ehebrecherin, welche meiner ſpottete und meinen Vater betrog!

Sie war raſend, außer ſich vor Zorn, ſie ſchleu⸗ derte die Hand fort, welche Katharina auf ihre Schulter legte, und wie eine gereizte Löwin ſprang ſie zurück vor der Berührung ihrer Feindin.

Das Blut ihres Vaters tobte und brauſte in ihr, und, Heinrich des Achten ächte Tochter, barg ſie in ihrem Herzen nur blutgierige und rachſüchtige Ge⸗ danken. 1

Sie ſchleuderte auf Thomas Seymour einen Blick finſtern Zornes, und ein verächtliches Lächeln um⸗ ſpielte ihre Lippen. Mylord, ſagte ſie, Ihr habt mich ein Kind genannt, welches ſich leicht täuſchen läßt, weil es ſo ſehr der Sonne und dem Glück ſich ent⸗ gegen ſehnte. Ihr habt Recht, ich war ein Kind, und ich war thöricht genug, einen elenden Lügner für einen Edelmann zu halten, der des ſtolzen Glückes werth ſei, von der Tochter eines Königs geliebt zu werden. Ja, Ihr habt Recht, das war ein kindiſcher Traum. Dank Euch, bin ich jetzt aus demſelben erwacht, und Ihr habt das Kind zu einer Frau gereift, welche ihre Jugendthorheit belacht und heute das verachtet, was ſie geſtern anbetete. Ich habe nichts zu ſchaffen mit

Heinrich VIII. 3. 13