Dein Herr und Dein Gemahl ſein, welcher vor Dir ſteht, und er wird Dich fragen: Katharina, mein Weib, haſt Du mir die Treue gehalten, welche Du mir ge⸗ ſchworen? Biſt Du keine Meineidige geworden an Deinen Gelübden und an Deiner Liebe? Haſt Du meine Ehre, welche auch Deine Ehre iſt, rein bewahrt vor jedem Flecken, und kannſt Du mir ſchuldlos in's Auge ſehen?
Er ſah ſie an mit ſtolzen, flammenden Augen, und vor ſeinen gebieteriſchen Blicken ſchmolz ihre Stärke und ihr Stolz hinweg, wie das Eis vor dem Sonnen⸗ glanz. Er war wieder der Herr, welcher ihrem Her⸗ zen zu gebieten hatte, und ſie wieder die demüthige Magd, deren ſüßeſtes Glück es iſt, ſich zu unterwer⸗ fen und zu beugen unter dem Willen des Geliebten.
Ich kann Dir frei in's Auge ſehen, murmelte ſie, und keine Schuld belaſtet mein Gewiſſen. Ich habe nichts geliebt als Dich, und nur Gott wohnte neben Dir in meinem Herzen.
Sie lehnte ganz überwältigt, ganz glückestrunken ihr Haupt an ſeine Schulter, und wie er ſie in ſeine Arme ſchloß, wie er ihre nicht mehr widerſtrebenden Lippen mit Küſſen bedeckte, da fühlte ſie nur noch, daß ſie ihn unausſprechlich liebe, und daß es für ſie kein Glück gähe, außer bei ihm. 3
Es war ein ſüßer Traum, ein Moment des köſt⸗ lichſten Entzückens. Aber es war nur ein Moment. Eine Hand legte ſich ungeſtüm auf ihre Schulter, eine heiſere, zornige Stimme rief ihren Namen, und wie Katharina aufſchaute, begegnete ſie den wilden Blicken Eliſabeth's, welche mit todesbleichen Wangen, mit zitternden Lippen, mit fliegenden Nüſtern vor ihr ſtand, und deren Augen Flammen des Zorus und des Haſſes ſprüheten.


