Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Die Königin war aufgeſtanden und dem Grafen einige Schritte entgegen gegangen. Wie ſie ihm jetzt gegenüber ſtand, wie ihre Blicke ſich begegneten, fühlte ſie ihren Muth ſinken und ihr Herz brechen.

Sie mußte die Blicke zu Boden ſenken, um ihn die Thränen nicht ſehen zu laſſen, die unwillkürlich in ihre Augen empor ſtiegen. Mit einem ſtummen Gruße reichte ſie ihm die Hand dar. Thomas Sey⸗ mour drückte ſie heftig an ſeine Lippen und ſah ihr mit einer leidenſchaftlichen Zärtlichkeit in's Angeſicht. Sie mußte all' ihre Kraft zuſammenraffen, um ihr Herz nicht ſich verrathen zu laſſen. Mit einer haſti⸗ gen Bewegung entzog ſie ihm ihre Hand und nahm von dem Tiſch die Papierrolle, welche die vom Könige unterzeichnete neue Succeſſions⸗Acte enthielt.

Mylord, ſagte ſie, ich habe Euch herberufen, weil

ich Euch einen Auftrag ertheilen möchte! Ich bitte Euch, dieſes Pergament zu der Prinzeſſin Eliſabeth tragen und es ihr übergeben zu wollen! Aber bevor Ihr das thut, will ich Euch mit ſeinem Inhalt bekannt machen. Dieſes Pergament enthält ein neues vom Könige ſanctionirtes Geſetz über die Succeſſion. Kraft deſſen ſind die königlichen Prinzeſſinnen nicht mehr genöthigt, einem ſouverainen fürſtlichen Gemahl ſich zu verbinden, wenn ſie ihre Erbanſprüche auf den

Thron ungeſchmälert ſich bewahren wollen. Der

König giebt den Prinzeſſinnen das Recht, ihrem Herzen zu folgen, und ihre Suecceſſions⸗Anſprüche ſollen nicht darunter leiden, wenn der von ihnen gewählte Gemahl auch kein Fürſt und König iſt. Das, Mylord, iſt der Inhalt dieſes Pergamentes, welches Ihr der Prin⸗ zeſſin bringen ſollt, und ohne Zweifel werdet Ihr es mir danken, daß ich Ench zum Boten dieſer frohen Nachricht erwählte!