Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Der König war krank bis zum Tode, und Katha⸗ rina war ohne Zweifel die Regentin, vielleicht dereinſt die ſouveräne Königin.

Prinzeſſin Eliſabeth war nur eine arme Prin⸗ zeſſin, ganz ohne Ausſicht auf den Thron, denn vor ihr kam Katharina, kam Eduard und endlich noch Maria, Eliſabeth's ältere Schweſter. Eliſabeth hatte gar keine Ausſicht auf die Krone, und Katharina die allernächſte, die allerbegründetſte.

Das überlegte Thomas Seymour, als er die Ge⸗ mächer der Königin durchſchritt, und als er zu ihr eintrat, hatte er ſich ſelber ganz überzeugt, daß er nur die Königin liebe, daß nur ſie es ſei, welche er immer geliebt habe.

Eliſabeth war vergeſſen und verachtet. Sie hatte keine Ausſicht auf den Thron. Weshalb alſo ſollte er ſie lieben?

Die Königin, wie geſagt, befahl ihm, die Thür des Bondoirs, welche in den Empfangsſaal führte, zu ſchließen und die Portidre niederzulaſſen. In dem⸗ ſelben Moment als er es that, bewegte ſich auch dort drüben die Portidre, welche von dem Boundoir in das Schlafzimmer führte, vielleicht hatte es nur der Zugwind der ſich ſchließenden Thür gethan. Weder die Königin, noch Seymour achteten darauf. Sie waren Beide zu ſehr mit ſich ſelber beſchäftigt; ſie ſahen nicht, wte die Portidre wieder und wieder leiſe bebte und zitterte, ſie ſahen nicht, wie ſie ſich leiſe in der Mitte ein wenig öffnete; ſie ſahen auch nicht die

lühenden Augen, die plötzlich durch die Spalte der ortière hervorſchauten, und ahnten nicht, daß es Prinzeſſin Eliſabeth war, welche da hinter den Vor⸗ hang getreten war, um beſſer hören und ſehen zu können, was in dem Boudoir geſchah.