Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

186

hemmend zwiſchen ihr Glück ſtellen. Jetzt, wo der König dem Tode nahe war, jetzt liebte er nur noch ſie, nur noch Katharina. Sein Ehrgeiz hatte über ſein Herz entſchieden, der Tod war der Richter ge⸗ worden über Seymours Doppelliebe und Tein ge⸗ theiltes Herz, und mit König Heinrichs Sterben war auch Eliſabeths Stern erblichen.

Katharina war die Wittwe eines Königs, und ohne Zweifel hatte dieſer zärtliche Gemahl ſein junges angebetetes Weib zur Regentin ernannt während der Minderjährigkeit des Prinzen von Wales. Katharina würde alſo noch fünf Jahre der unbeſchränkten Herr⸗ ſchaft, der königlichen Autorität und Machtvollkom⸗ menheit haben. Wenn Katharina ſeine Gemahlin war, ſo würde er, Thomas Seymour, alſo dieſe Macht mit 4 ihr theilen, und der königliche Purpurmantel, welcher 1 auf ihren Schultern ruhte, würde auch ihn mit über⸗ decken, und er würde ihr helfen dieſe Krone zu tragen, die ohne Zweifel zuweilen ihre zarte Stirn bedrücken möchte. Er würde in Wahrheit der Regent ſein, und Katharina würde es dem Namen nach ſein. Sie, die Königin von England, und er, der Kön,s dieſer Königin. Welch' ein ſtolzer, berauſchender Gedanke war dies, und welche Plane, welche Hoffnungen waren

nicht daran zu knüpfen. Fünf Jahre der Herrſchaft, war das nicht eine Zeit, lang genug, um den Thron dieſes königlichen Knaben zu unterhöhlen und ſeine Autorität zu untergraben? Wer konnte ermeſſen, ob das Volk, einmal gewöhnt an die Regentſchaft der Königin, es nicht vorziehen möchte, unter ihrem Scepter zu bleiben, ſtatt dieſem ſchwachen Jüngling ſich anzu⸗ vertrauen? Man mußte, das Volk zwingen ſo zu denken, und Katharina, die Gemahlin Thomas Sey⸗ mours, zu ſeiner regierenden Königin zu machen.