Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Die Rataſtrophe.

Nach Tagen geheimer Qual und verborgener Thränen, nach Nächten ſchluchzender Pein und jam⸗ mernden Kummers war Katharina endlich zur Ruhe gekommen in ſich ſelber, hatte ſie endlich einen feſten und entſcheidenden Entſchluß gefaßt.

Der König war krank bis zum Tode, und wie viel ſie auch durch ihn gelitten und geduldet hatte, immer war er doch ihr Gemahl, und ſie wollte nicht als eine Meineidige und eine Betrügerin an ſeinem Sterbebett ſtehen, ſie wollte nicht vor dem brechenden Blicke des ſterbenden Königs die Augen zu Boden ſenken müſſen. Sie wollte ihrer Liebe entſagen, dieſer Liebe, welche indeß ſo rein und ſo keuſch, wie das Gebet einer Jungfrau geweſen, dieſer Liebe, welche wie die Mor⸗ genröthe ſo unnahbar fern und doch ſo groß und leuchtend über ihr geſtanden, und ihr den dunklen min ihres Lebens mit himmliſchem Lichte durchſtrahlt

atte.

Sie wollte das ſchwerſte Opfer bringen, ſie wollte ihren Geliebten einer Andern geben. Eliſabeth liebte ihn. Katharina wollte nicht erforſchen und ergründen, ob Thomas Seymour ſie wieder liebe, und ob die Schwüre, welche er ihr, der Königin geleiſtet, wirklich nichts weiter geweſen als ein Traumbild, eine Lüge. Nein, ſie glaubte es nicht, ſie glaubte nicht, daß Thomas Seymour des Verrathes, der Doppelzüngig⸗ keit fähig ſei. Aber Eliſabeth liebte ihn, und ſie war jung und ſchön, und eine große Zukunft lag vor ihr. Katharina liebte Thomas Seymour ſtark genug, um