Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 177—

von England zu werden*). Aber wer weiß, ob Ihr alsdann noch wünſchen werdet, den, welchen Ihr jetzt liebt, zu Eurem Gemahl zu erheben. Eine Königin, wie Ihr es ſein werdet, ſieht mit andern Augen, als das junge unerfahrene Mädchen. Ich hatte vielleicht nicht Recht gethan, den König zu dieſer Abänderung des Geſetzes zu bewegen, denn ich kenne den Mann nicht, welchen Ihr liebt, und wer weiß, ob er es würdig iſt, daß Ihr ihm Euer ſo unſchuldiges und reines Herz gegeben!

Eliſabeth ſchlang ihre beiden Arme um Katharina's Nacken und ſchmiegte ſich zärtlich an ſie. Oh, ſagte ſie, er wäre es ſelbſt werth von Euch geliebt zu wer⸗ den, Katharina, denn er iſt der edelſte und ſchönſte Cavalier der ganzen Welt, und wenn er auch kein König iſt, ſo iſt er doch eines Königs Schwager, und wird dereinſt eines Königs Oheim ſein!

Katharina fühlte es wie einen Krampf in ihrem Herzen, und ein leiſes Zittern durchflog ihre Geſtalt. Und ſoll ich ſeinen Namen nicht erfahren? fragte ſie.

Ja, jetzt will ich ihn Euch ſagen, denn jetzt iſt keine Gefahr mehr dabei, ihn zu wiſſen. Der, welchen ich liebe, Königin, er heißt Thomas Seymour!

Katharina ſtieß einen Schrei aus und drängte Eliſabeth heftig von ihrem Herzen weg. Thomas Seymour? rief ſie mit drohendem Ton. Wie, Ihr wagt es, Thomas Seymour zu lieben?

Und weshalb ſollte ich es nicht wagen? fragte das junge Mädchen erſtaunt. Weshalb ſollte ich ihm mein Herz nicht geben, da ich, Dank Eurer Fürſprache, nicht mehr gehalten bin, einen ebenbürtigen Gemahl

*) Katharina's eigene Worte. Siehe Leti, Vol. I. pag. 172. Heinrich VIII. 3. 12