Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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die Qualen und die Angſt eines gauzen Lebens habe ich in dieſer einen Stunde durchlaufen, meine Seele iſt davon matt gehetzt bis zum Tod, und meine Kraft iſt erſchöpft. Ich möchte weinen, immerfort weinen über dieſe armſelige, trügeriſche Welt, in welcher es nicht genügt, das Rechte zu wollen und das Gute zu thun, ſondern in der man heucheln und lügen, be⸗ trügen und ſich verſtellen muß, wenn man nicht dem Böſen und dem Unheil zum Opfer fallen will! Aber ach, Eliſabeth, ſelbſt meine Thränen darf ich nur nach innen weinen, denn eine Königin hat nicht das Recht, traurig zu ſein, ſie muß immer heiter, immer glücklich und zufrieden ſcheinen, und nur Gott und die ſtille, verſchwiegene Nacht kennt ihre Seufzer und Thränen!

Und auch mich dürft Ihr ſie ſehen laſſen, Köni⸗ gin, ſagte Eliſabeth innig, denn Ihr wißt es wohl, daß Ihr mir vertrauen und auf mich bauen dürft.

Katharina küßte ſie innig. Ihr habt mir heute einen großen Dienſt erwieſen, und ich bin nicht ge⸗ kommen, um Euch nicht nur mit tönenden Worten, ern auch mit Thaten zu danken, ſagte ſie. Eli⸗ h, Euer Wunſch wird ſich erfüllen, der König wird das Geſetz zurücknehmen, welches Euch zwingen ſollte, nur einem ebenbürtigen Gemahl Eure Hand zu reichen.

Oh, rief Eliſabeth mit flammenden Augen, ich werde alſo einſt vielleicht Den, welchen ich liebe, zu einem König machen können!

Katharina lächelte. Ihr habt ein ſtolzes und ehr⸗ geiziges Herz, ſagte ſie. Gott hat Euch mit außer⸗ ordentlichen Fähigkeiten begabt, pflegt ſie, Eliſabeth, und ſucht ſie zu mehren, denn mein ahnendes Herz ſagt mir, daß Ihr dazu beſtimmt ſeid, einſt Königin