Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Kurze Zeit nach dieſer verhängnißvollen Prome⸗ nade im Garten von Whitehall betrat die Königin die Gemächer der Prinzeſſin Eliſabeth, welche ihr mit freudigem Unheſtüm eentgegeneilte und ſie ſtürmiſch in ihre Arme ſchloß.

Gerettet! flüſterte ſie. Die Gefahr iſt überwun⸗ den, und Ihr ſeid wieder die mächtige Königin, die angebetete Gattin!

Und Euch danke ich es, daß ich es bin, Prinzeſſin! Ohne dieſen Verhaftsbefehl, den Ihr mir brachtet, war ich verloren. Oh Eliſabeth, welche Marter aber war dies! Zu lächeln und zu ſcherzen, während mir das Herz zitterte vor Angſt und Entſetzen, harmlos und unbefangen zu ſcheinen, während es mir war, als hörte ich in der Luft ſchon das Sauſen des Beils, welches meinen Nacken treffen ſollte! Oh, mein Gott,

aber ſeine Herrſchaft war von kurzer Dauer. Nach einer kaum ſechsjährigen Regierung ſtarb er als ein Jüngling von ſechszehn Jahren, und ſeine Schweſter Maria, genannt die katholiſche, beſtieg den Thron. Ihre erſte That war, Gardiner, welcher unter Eduards Herrſchaft als Gefangener im Tower geſeſt zu befreien, und ihn zu ihrem Miniſter, ſpäter zum Staat anzler zu ernennen. Er war einer der wüthendſten Verfolge der Reformirten; einmal ſagte er im Staatsrath, im Beiſein der bigotten Königin:„Dieſe Ketzer haben eine ſo ſchwarze Seele, daß man ſe nur in ihrem eigenen Blute rein waſchen kann!“— Er war es auch, welcher die Königin zu den ſtrengen und gehäſſigen Maßregeln gegen die Prinzeſſin Eliſabeth an⸗ trieb und bewirkte, daß dieſe abermals für einen Baſtard und der Thronfolge für unwürdig erklärt ward. Als Maria ſtarb, hielt Gardiner in der Kapelle von Weſtminſter, wo ſie beige⸗ ſetzt ward, das Todtenamt im Beiſein ihrer Nachfolgerin, der Königin Eliſabeth. Gardiners Rede war eine begeiſterte Lob⸗ rede der verſtorbenen Königin, als deren beſonderes Verdienſt er es hervorhob, daß ſie die Ketzer ſo glühend gehaßt und ſo viele hatte hinrichten laſſen. Er endigte mit einer Schmährede auf die Proteſtanten und ſchonte dabei der jungen Königin ſo wenig, und ſprach von ihr in ſo beleidigenden Ausdrücken, daß

er noch denſelben Tag verhaftet ward. Leti, Vol. I. p. 314.