Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Beſiegten, hernieder ſehen würde, und mein Herz bäumte ſich empor bei dem Gedanken, vor ihm gede⸗ müthigt zu werden. Und da bin ich denn jetzt bei dem zweiten Theil meiner Schuld, welche ich Euch hente beichten will, angelangt. Sire, ich muß Euch eine andere große Schuld bekennen: ich habe mich heute ſchwer gegen Euch vergangen, indem ich Euch widerſprach und mich auflehnte gegen Eure frommen und weiſen Worte. Ach, mein Gemahl, es geſchah nicht, um Euch zu trotzen, ſondern nur um den ſtolzen Prieſter zu ärgern und zu kränken. Denn ich muß es Euch geſtehen, mein König, ich haſſe dieſen Erz⸗ biſchof von Wincheſter, ja, mehr noch, ich habe Furcht vor ihm, denn mein ahnendes Herz ſagt mir, daß er mein Feind iſt, daß er jeden meiner Blicke, jedes meiner Worte belauert, um daraus eine Schlinge machen zu können, mich zu erwürgen. Er iſt das böſe Fatum, welches hinter mir herſchleicht und mich eines Tages gewiß zerſchmettern würde, wenn Eure ſegnende Hand und Euer allmächtiger Arm mich nicht ſchützten. Oh, wenn ich ihn ſehe, mein Gemahl, möchte ich mich immer gleich an Euer Herz flüchten und zu Euch ſagen: ſchützt mich, mein König, und habt Erbarmen mit mir. Glaubt an mich und liebet mich, denn wenn Ihr es nicht thut, bin ich verloren! Der böſe Feind iſt da, mich zu verderben!

Und indem ſie ſo ſprach, ſchmiegte ſie ſich innig an des Königs Seite und blickte, den Kopf an ſeine Bruſt gelehnt, mit dem Ausdruck zärtlichen Flehens und rührender Hingebung zu ihm empor.

Der König neigte ſich zu ihr nieder und küßte ſie auf die Stirn. Oh sancta simplicitas, murmelte er leiſe, ſie weiß nicht, wie nahe ſie der Wahrheit iſt, und wie ſehr ſie Recht hat mit ihren ſchlimmen Ah⸗

Heinrich VIII. 3. 11

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