Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Und das iſt Euer ganzes Verbrechen, Kathi? fragte er endlich, ſich die Augen trocknend. Ihr habt mir einen Pion geſtohlen, dies iſt Euer erſter und einziger Betrug?

Iſt er nicht ſchon groß genug, Sire? Habe ich ihn nicht entwandt, weil ich ſo hochmüthig war, Euch eine Parthie Schach abgewinnen zu wollen? Kennt nicht jetzt der ganze Hof ſchon mein ſtolzes Glück und weiß, daß ich heute Siegerin geweſen bin, während ich doch nicht verdiene es zu ſein, während ich Euch ſo ſchmachvoll betrog?

Nun wahrlich, ſagte der König feierlich, wohl den Männern, welche von ihren Weibern nicht ſchlimmer betrogen werden, als Du es heute mir gethan, und wohl den Frauen, deren Beichte ſo rein und unſchulds⸗ voll iſt, als es heute die Deinige geweſen! Schlage die Augen nur wieder empor, meine Kathi, die Sünde iſt Dir verziehen, und ſie wird Dir von Gott und Deinem König als eine Tugend angerechnet werden!

Er legte, wie zum Segen, ſeine Hand auf ihr Haupt und ſah ſie lange und ſchweigend an. Dann ſagte er lachend: Auf dieſe Weiſe alſo, meine Kathi, wäre ich heute der Sieger geweſen und hätte dieſe Schachparthie nicht verloren?

Nein, ſagte ſie traurig, ich hätte ſie verlieren müſſen, wenn ich dieſen Pion nicht ſtahl.

Der König lachte wieder. Katharina ſagte ernſt⸗ haft: Glaubt mir nur, mein Gemahl, der Erzbiſchof Gardiner, der allein trägt die Schuld an meinem

all. Weil er zugegen war, wollte ich nicht verlieren. s empörte meinen Stolz, zu denken, daß dieſer ſtolze und übermüthige Prieſter Zeuge meiner Nieder⸗ lage ſein ſollte. Ich ſah ſchon im Geiſte das kalte und verächtliche Lächeln, mit welchem er zu mir, der