Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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pier und blickte dann ganz erſtaunt bald den Inhalt deſſelben, bald das erröthende Geſicht der Königin an.

Wie? ſagte er. Einen Pion vom Schachbrett gebt Ihr mir? Was bedeutet dies?

Das bedeutet, ſagte ſie mit ganz zerknirſchtem Ton, das bedeutet, daß ich Euch denſelben geſtohlen und Euch dadurch um den Sieg betrogen habe. Oh, ver⸗ zeiht mein Gemahl, aber ich konnte es nicht länger ertragen, immer zu verlieren, und ich fürchtete, Ihr würdet mir nicht mehr das Glück gönnen mit Euch zu ſpielen, wenn Ihr inne würdet, welch' ein ſchwa⸗ cher und verächtlicher Gegner ich ſei. Und ſeht, dieſer kleine Pion war mein Feind, er ſtand meiner Köni⸗ gin zur Seite und bedrohte mich mit Gardez, während der König Schach von Eurem Laufer hatte. Ihr wolltet eben dieſen Zug mit dem Pion thun, welcher mein Verderben war, da trat der Erzöiſchof Gardiner ein. Ihr wandtet Euer Auge zu ihm hin und be⸗ grüßtet ihn, Ihr ſaht nicht auf das Spiel— Oh mein Herr und Gemahl, die Verſuchung war zu lockend und zu verführeriſch, und ich unterlag ihr. Ich nahm leiſe den Pion vom Brette fort und ließ ihn in meine Taſche gleiten. Als Ihr wieder auf das Spiel blicktet, ſchient Ihr anfangs verwundert, aber Euer großmüthiger und erhabener Sinn errieth nicht meine ſchlechte That; ſo ſpieltet Ihr arglos weiter, und ſo gewann ich die Schachparthie. Oh mein König, werdet Ihr mir verzeihen und mir nicht zürnen?

Der König brach in ein lautes Gelächter aus und blickte mit zärtlichem Ausdruck auf Katharina hin, welche mit niedergeſchlagenen Augen, verſchämt und erröthend vor ihm ſtand.— Dieſer Anblick verdop⸗ pelte nur ſeine Luſtigkeit und ließ ihn immer wieder von Neuem laut auflachen. 1