— 155—
nichts mehr ſchauen ſollten als die Nacht des Kerkers. Der Schlaf, wie geſagt, hatte die Erinnerung daran auch in Schlaf gelullt, und die böſen Gedanken waren noch nicht wieder wach in ihm geworden. Einen Ver⸗ haftsbefehl oder ein Todesurtheil zu unterzeichnen war dem König etwas ſo Alltägliches und Gewöhn⸗ liches, es machte gar keine Epoche in ſeinem Leben und belaſtete ihn weder mit Gewiſſensangſt, noch machte es ſein Herz ſchaudern und erzittern.
Aber Katharina dachte daran, und wie die Hand des Königs ihre Wange ſtreichelte, war es ihr, als ob der Tod ſie eben berühre, um ſie nimmer wieder frei zu geben. Indeß, ſie überwand dieſes augen⸗ blickliche Grauen und hatte den Muth, ihre heitere und harmloſe Miene zu bewahren..
Ihr nennt mich Euren guten Engel, mein Gemahl, ſagte ſie lächelnd, aber ich bin doch weiter nichts, als Euer kleiner Kobold, der um Euch herum rumort und Euch zuweilen lachen macht mit ſeinen Neckereien.
Und ein herziger kleiner Kobold biſt Du, Kathi, rief der König, der mit wahrem Vergnügen immerfort das roſige und friſche Antlitz ſeiner Gemahlin be⸗ trachtete. 3
So will ich mich denn auch heute als Euer Ko⸗ bold bewähren, und Euch keine Ruhe mehr gönnen auf Eurem Lager, ſagte ſie, indem ſie tändelnd ver⸗ ſuchte, ihn empor zu ziehen. Wißt Ihr, mein Ge⸗ mahl, weshalb ich herkam? Ein Schmetterling hatte bei mir an's Fenſter geklopft. Denkt doch nur, ein Schmetterling im Winter, das bedeutet, daß der Winter diesmal Frühling iſt, und daß der Wettermacher da droben den Januar mit dem März verwechſelt hat. Der Schmetterling hat uns gerufen, König, und ſeht nur, die Sonne nickt dort in's Fenſter herein, und


