fragend und erſtaunt im Zimmer umher blickte, fiel ihr Auge auf dieſes Papier, welches dort am Boden lag. Sie hob es auf und betrachtete es mit kindiſcher Neugierde. Was konnte dieſes Papier enthalten? Sicher war es kein Geheimniß, denn ſonſt würde es nicht hier am Boden liegen.
Sie öffnete es und las. Ihr ſchönes Antlitz drückte Entſetzen und Erſtaunen aus, und ein leiſer Aufſchrei entfuhr ihren Lippen. Aber Eliſabeth hatte eine ſtarke und entſchloſſene Seele, und das Unerwartete und Ueberraſchende trübte nicht ihren hellen Blick und verdunkelte nicht ihren ſcharfen Geiſt. Die Königin war in Gefahr. Die Königin ſollte verhaftet werden. Das ſchrie ihr dieſes fürchterliche Blatt in's Ohr, aber ſie durfte ſich nicht davon betäuben laſſen, ſie mußte handeln, ſie mußte die Königin warnen.
Sie barg das Papier in ihrem Buſen, und leicht wie ein Zephyr ſchwebte ſie wieder aus dem Gemach.
Mit blitzenden Augen, die Wangen geröthet vom eiligen Lauf, trat Eliſabeth zu der Königin ein; mit leidenſchaftlichen Ungeſtüm ſchloß ſie ſie in die Arme und küßte ſie zärtlich.
Katharina, meine Königin und meine Mutter, ſagte ſie, wir haben geſchworen, einander beizuſtehen und zu beſchützen, wenn Gefahr uns bedroht. Das Schickſal iſt mir gnädig, denn es giebt mir die Mittel in die Hand, meinen Schwur heute ſchon zu erfüllen. Nehmt dieſes Papier und lefet! Es iſt ein vom König ſelber ausgefertigter Verhaftsbefehl gegen Euch. Wenn Ihr geleſen habt, dann laßt uns überlegen, was zu thin iſt, und wie wir die Gefahr von Euch abwenden önnen.
Ein Verhaftsbefehl! ſagte die Königin ſchaudernd, als ſie geleſen. Ein Verhaftsbefehl, das heißt ein To⸗


