Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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ſie ſich zu ihrem Geliebten bekennen würde, wenn er für ſie in den Tod gehen wollte. Ja, Geraldine, ich wollte es thun, um endlich zu wiſſen, welches Gefühl in Dir ſtärker iſt, die Liebe oder der Stolz, und ob Du alsdann noch die Maske der Gleichgültigkeit Dir bewahren könnteſt, wenn der Tod über dem Haupt Deines Geliebten ſchwebte. Oh Geraldine, ich würde es ſchöner finden, mit Dir vereint zu ſterben, als dieſes Leben des Zwanges und der verhaßten Etiquette noch länger ertragen zu müſſen!

Nein, nein, ſagte ſie erbebend, wir wollen nicht ſterben! Mein Gott, das Leben iſt ja ſo ſchön, wenn Du an meiner Seite biſt, und wer weiß, ob uns nicht noch eine beglückende und ſelige Zukunft er⸗ wartet!

Oh, wenn wir ſtürben, wären wir dieſer ſeligen Zukunft gewiß, meine Geraldine! Dort droben giebt es für uns keine Trennung und kein Entſagen mehr, dort droben biſt Du mein, und die bluttriefende Ge⸗ ſtalt Deines Gemahls ſteht nicht mehr zwiſchen uns!

Sie ſoll es auch hier auf Erden nicht mehr, flü⸗ ſterte Geraldine. Komm, mein Geliebter, laß uns fliehen, weit weithin, wo man uns nicht kennt, wo wir all dieſen verhaßten Glanz von uns werfen kön⸗ nen, um nur uns und unſerer Liebe zu leben!

Sie ſchlang ihre Arme um den Geliebten, und in der Extaſe ihrer Liebe hatte ſie ganz vergeſſen, daß ſie ja nimmer daran denken durfte, mit ihm zu fliehen, daß er nur ihr gehörte, ſo lange er ſie nicht ſah.

Eine unerklärliche Angſt bewältigte ihr Herz, und über dieſer Angſt vergaß ſie Alles, ſelöſt die Königin, und die Rache, die ſie ſich gelobt.