Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
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Sie ſah wunderſchön aus! Der Glanz der ihr vorgetragenen Kerzen beleuchtete ihr Antlitz, welches in Heiterkeit ſtrahlte. Wie ſie an dem Pfeiler vor⸗ überging, hinter welchem John Heywood ſtand, ſprach ſie in unbefangener Fröhlichkeit mit ihrer zwei⸗ ten Ehrendame, und ein heiteres und friſches Lachen tönte von ihren Lippen, welches die beiden Reihen ihrer blendend weißen Zähne ſehen ließ. Ihre Augen glühten, ihre Wangen waren von einem öſtlichen Roth überhaucht, wie Sterne ſo hell funkelten die Brillanten des Diadems, das ihre hohe Stirn be⸗ kränzte, wie flüſſiges Gold ſtrahlte ihr goldbrokatenes Kleid, deſſen lange mit ſchwarzem Hermelin verbrämte Schleppe zwei liebliche Pagen ihr nachtrugen.

An der Pforte ihres Schlafzimmers angelangt, ent⸗ ließ die Königin ihre Pagen und Lakaien, und nur die Ehrendame durfte mit ihr die Schwelle ihres Ge⸗ maches überſchreiten.

Die Pagen ſchlüpften in harmloſem Geplauder den Corridor und die Treppe hinunter, dann kamen die Lakaien, welche die Armleuchter getragen. Auch ſie verließen den Corridor.

Jetzt war wieder Alles ſtill. John Heywood ſtand noch immer und lauſchte, feſt entſchloſſen, die Königin noch dieſe Nacht zu ſprechen, und müßte er ſie ſelber aus dem Schlaf wecken. Nur wollte er noch warten, bis auch die Ehrendame die Zimmer der Königin ver⸗ laſſen habe.

Jetzt öffnete ſich die Thür und die Ehrendame trat heraus. Sie ging über den Corridor nach jener Seite hin, wo ſich ihre eigenen Gemächer befanden. John Heywood hörte ſie die Thür öffnen und dann von innen den Riegel vorſchieben.