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Aber es war nicht das Blut der Seymours, nach welchem der König dürſtete. Das wußte Graf Dou⸗ glas ſehr wohl. Er, welcher Tag und Nacht den König beobachtete, er, welcher jeden ſeiner Seufzer, jedes ſeiner leiſe gemurmelten Worte, jedes Zucken ſeines Mundes, jedes Runzeln ſeiner Stirn prüfte und ſondirte, er wußte wohl, welche finſtern und blu⸗ tigen Gedanken die Seele des Königs bewegten, und welches das Blut war, nach dem ihn dürſtete.
Das Blut der Howards wollte der königliche Tiger trinken, und daß ſie noch lebten in Geſundheit und Fülle und Glanz, während er, ihr König und Herr, einſam und trübe auf ſeinem Lager ſich wälzte in Qual und Schmerzen, das war der Wurm, welcher an dem Herzen des Königs nagte, welcher ſeine Schmerzen noch ſchmerzvoller, ſeine Qualen noch bohrender machte.
Der König war eiferſüchtig. Eiferſüchtig auf die Macht und Größe der Howards. Es erfüllte ihn mit finſterm Haß, zu denken, daß der Herzog von Norfolk, wenn er durch die Straßen Londons ritt, überall von den Zurufen und dem Jubel des Volkes empfangen ward, während er, der König, ein Gefangener in ſeinem Palaſt war. Es war für ihn ein nagender Schmerz zu wiſſen, daß man Henry Howard, den Grafen Surrey, als den ſchönſten, größten Mann Englands pries, daß man ihn den edelſten Dichter, den größten Gelehrten nannte, während er, der König, doch auch ſeine Gedichte gemacht und ſeine gelehrten Abhandlungen, ja ſogar ein eigenes frommes Buch geſchrieben, das er für ſein Volk hatte drucken und ihm befehlen laſſen, es ſtatt der Bibel zu leſen*).
*) Burnet Vol. I, pag. 95.


