nur das geſagt, was ſie ſelber ſo heiß empfunden. Es waren ihre Gedanken, ihre Schmerzen. Er hatte ſie in ſeiner Sprache geſagt; ſie mußte ſie jetzt in der ihrigen wiederholen. Sie ſetzte ſich hin, und mit vor Begeiſterung zitternden Händen, mit fliegendem Athem, ganz erregt und glühend in freudiger Haſt, begann ſie eine Ueberſetzung der erſten Sonnette Petrarka's*).
Ein lautes Klopfen unterbrach ſie, und in der haſtig geöffneten Thür ſah man jetzt die edle und liebliche Geſtalt Katharina's erſcheinen.
Die Königin! rief Eliſabeth freudig. Ihr kommt in ſo früher Morgenſtunde zu mir?
Und ſollte ich bis zum Abend warten, um meiner Eliſabeth zu ihrem Feſttag Glück zu wünſchen? Sollte ich erſt die Sonne untergehen laſſen an dieſem Tage, der England eine ſo edle und ſchöne Prinzeſſin ge⸗ geben? fragte Katharina. Oder dachtet Ihr vielleicht, ich wüßte es nicht, daß heute Euer Geburtstag iſt, und daß heute meine Eliſabeth aus den Kinderjahren aſs Ene ſtolze und hoffnungsreiche Jungfrau hervor⸗ geht
Hoffnungsreich? ſagte Eliſabeth traurig. Die Tochter Anna Boulen's hat keine Hoffnungen, und wenn Ihr von meinem Geburtstage ſprecht, erinnert Ihr mich zugleich an meine geſchmähete Geburt!
*) Eliſabeth, welche ſchon als zwölfjähriges Mädchen vier Sprachen ſprach, liebte es ſehr, Verſe zu machen und die Ge⸗ dichte fremder Autoren zu überſetzen. Aber ſie hielt dieſe Kunſt ſehr geheim, und ward ſtets ſehr unwillig, wenn Jemand zu⸗ fällig eines ihrer Gedichte ſah. Nach ihrem Tode fand man unter ihren Papieren namentlich viele Ueberſetzungen Petrarka'⸗ ſcher Sonnette, die aus ihrer früheſten Jugend herrührten. Leti. Vol, I. p. 150.
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