Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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an ſeine ſchöne junge Königin, deren Kühnheit ihm imponirte, und deren Unſchuld und Reinheit ihn mit einer ſtolzen, ſeligen Freude erfüllte.

Er war daher ſehr genigt, Denen zu verzeihen, welche im Grunde weiter nichts verſchuldet, als daß ſie die Befehle ihres Herrn ein wenig zu genau und ſtrenge ausgeführt hatten.

Eine lange Pauſe war eingetreten, eine Pauſe der Erwartung und der Angſt für Alle, welche in der Halle verſammelt waren. Nur Katharina lehnte ruhig in ihrem Seſſel und blickte mit ſtrahlenden Augen hinüber zu Thomas Seymour, deſſen ſchönes Antlitz ihr die Genugthuung und Zufriedenheit verrieth, welche er über dieſe Aufklärung ihrer myſteriöſen, nächtlichen Wanderung empfand.

Endlich erhob ſich der König, und, ſich tief vor ſeiner Gemahlin verneigend, ſagte er mit lauter, voll⸗ tönender Stimme: Ich habe Euch, meine edle Ge⸗ mahlin, tief und bitter verletzt, und wie ich Euch öffentlich angeklagt, will ich auch öffentlich Eure Ver⸗ zeihung fordern! Ihr habt Recht, mir zu zürnen, denn mir zunächſt geziemte es, unerſchütterlich feſt an die Treue und die Ehrbarkeit meiner Gemahlin zu glauben. Mylady, Ihr habt Euch eine glänzende Rechtfertigung verſchafft, und ich, der König, beuge mich zuerſt vor Euch, und bitte, daß Ihr mir verzei⸗ hen und mir eine Buße auferlegen möget!

Ueberlaßt es mir, Königin, dieſem reuigen Sünder eine Buße aufzuerlegen! rief John Heywood fröhlich. Ihr, Majeſtät, ſeid viel zu großmüthig, viel zu zag⸗ haft, um ihn ſo ſtrenge zu behandeln, als es mein Bruder, König Heinrich, verdient. Ueberlaßt es alſo mir, ihn zu ſtrafen; denn nur der Narr iſt weiſe genug, den König nach Verdienſt zu ſtrafen.