Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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kühnes Weib, und wir würden ihr das zugeſtehen müſſen, wäre ſie ſelbſt nicht unſere Königin!

Fahrt fort, Mylady! ſagte er dann laut, mit einem gütigen Blick ſich der Königin zuwendend. Erzählt mir, Katharina, was ſaht Ihr denn in der Folter⸗ kammer?

Oh, mein König und Herr, mir graut es, nur daran zu denken, rief ſie ſchaudernd und erbleichend. Ich ſah ein armes junges Weib, das in furchtbarer Qual ſich wand, und deren ſtarre Blicke in ſtummem Flehen gen Himmel gerichtet waren. Sie bat ihre Peiniger nicht um Gnade, ſie wollte von ihnen kein Mitleid und kein Erbarmen, ſie ſchrie nicht und win⸗ ſelte nicht vor Schmerz, obwohl ihre Glieder krachten und ihr Fleiſch wie Glas auseinander ſprang. Sie faltete ihre Hände zu Gott empor, und ihre Lippen murmelten leiſe Gebete, welche vielleicht die Engel des Himmels weinen machten, aber die Herzen ihrer Pei⸗ niger nicht zu rühren vermochten. Ihr hattet be⸗ fohlen, mein Gemahl, ſie zu foltern, wenn ſie nicht widerrufen wollte. Man fragte ſie nicht, ob ſie dies wolle, man folterte ſie. Aber ihre Seele war ſtark und muthig in ihr, und unter den Qualen des Hen⸗ kers blieb ihre Lippe ſtumm. Mögen die Schriftge⸗ lehrten ſagen und entſcheiden, ob Marie Askew's Glaube ein falſcher geweſen, aber das werden ſie nicht leugnen dürfen, daß ſie in dieſes Glaubens edler Begeiſterung eine Heldin war, welche mindeſtens ihren Gott nicht verleugnete. Endlich, erſchöpft von ſo viel nutzloſer Anſtrengung hielten die Henkersknechte inne in ihrer blutigen Arbeit, um auszurnhen von den Qualen, welche ſie Marie Askew bereitet hatten. Der Lieutenant des Towers erklärte das Werk der Folter beendigt. Man hatte die höchſten Grade derſelben angewandt, und ſie