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Er weiß Alles! dachte auch die Königin, und jetzt fühlte ſie in ſich den trotzigen Muth, Alles zu wagen, um mindeſtens nicht in den Augen des Geliebten als eine Verrätherin dazuſtehen.
Er ſoll nicht glauben, daß ich ihm ungetreu ge⸗ weſen, dachte ſie. Ich werde Alles ſagen, Alles be⸗
kennen, damit er weiß, weshalb und wohin ich ge⸗ gangen war.
Jetzt antwortet, Mylady Katharina, donnerte der König. Antwortet, und ſagt mir, ob man Euch falſch beſchuldigt hat. Iſt es wahr, daß Ihr vor acht Tagen, in der Nacht vom Montag auf den Dienſtag, um die Mitternachtſtunde Euer Schlafgemach verließet und heimlich in den einſamen Thurm ginget? Iſt es wahr, daß Ihr dort einen Mann empfinget, der Euer Geliebter iſt?
Die Königin blickte mit zürnendem Stolz ihn an. Heinrich, Heinrich, wehe über Euch, daß Ihr es wagt, Eure eigene Gemahlin alſo zu beſchimpfen, rief ſie.
Antwortet mir! Ihr war't in jener Nacht nicht in Eurem Schlafgemach?
Nein, ſagte Katharina mit ſtolzer Ruhe. Ich war nicht dort!.
Der König ſank in ſeinen Seſſel zurück, und ein
wahres Gebrüll der Wuth ertönte von ſeinen Lippen. Es machte die Frauen erbleichen, und ſelbſt die Männer fühlten ſich erbeben. Katharina allein hatte gar nicht darauf geachtet; ſie allein hatte nichts vernommen, als dieſen Schrei⸗ des Entſetzens, den Thomas Seymour ausgeſtoßen, und ſie ſah nur die zornigen und vorwurfsvollen Blicke, die er zu ihr hinüber ſchleuderte. 4
Sie erwiederte dieſe Blicke mit einem freundlichen


