— 177—
gehen, und es erfüllte ihr Herz mit Jammer und utzücken zugleich.
Auch ſie war jetzt feſt entſchloſſen, nur ihrem Herzen und ihrer Liebe zu folgen, und alles Andere vergeſſend außer dieſer, eilte ſie vorwärts und ſtand jetzt neben Henry Howard.
Seid beſonnen, Graf Surrey, flüſterte ſie leiſe. Zieht Eure Hand zurück vom Schwert. Die Königin befiehlt es Euch durch meinen Mund!
Henry Howard ſah ſie erſtaunt und befremdet an, aber er ließ ſeine Hand von dem Griff ſeines Schwertes gleiten und blickte wieder hinüber zur Königin.
Sdie hatte ihre Forderung wiederholt, ſie hatte noch einmal von dem König, welcher ſprachlos und ganz überwältigt von Zorn in ſeinen Seſſel zurückgefallen war, verlangt, ihr das Verbrechen zu nennen, deſſen man ſie zeihe.
Nun denn, Mylady, Ihr fordert es, und Ihr ſollt es hören, rief er. Ihr wollt das Verbrechen kennen, deſſen man Euch anklagt? Antwortet mir alſo, Mylady! Man beſchuldigt Euch, daß Ihr nicht immer zur Nacht⸗ zeit in Eurem Schlafgemach verweilt. Man behauptet, daß Ihr es zuweilen auf viele Stunden verlaßt, und daß keine Eurer Frauen Euch begleitet, wenn Ihr durch die Corridore und über die geheimen Treppen ſchlüpft zu dem einſamen Thurme, in welchem Euer Liebhaber Euch erwartet, welcher zur ſelben Zeit durch die kleine Straßenpforte in den Thurm eintritt.
Er weiß Alles! murmelte Henry Howard, und wieder legte er die Hand an das Schwert und wollte ſich der Königin nähern.
Lady Jane hielt ihn zurück. Harret des Ausgangs, ſagte ſie. Zum Sterben iſt es noch immer Zeit!
Heinrich VIII. 2. 3 12
—


