Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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flammenden Blicken in das zornſprühende Antlitz des Königs. König Heinrich von England, ſagte ſie feier⸗ lich, Ihr habt öffentlich vor Eurem ganzen Hofe Eure

Königin eines Verbrechens beſchuldigt. Ich verlange

jetzt, daß Ihr es nennt!

Sie ſah wunderſchön aus in ihrer ſtolzen, kühnen Haltung, in ihrer impoſanten, majeſtätiſchen Ruhe.

Der Moment der Entſcheidung war gekommen, und ſie war es ſich bewußt, daß ihr Leben und ihre Zukunft jetzt mit dem Tode um den Sieg rangen.

Sie blickte hinüber zu Thomas Seymour, und ihre Blicke begegneten ſich. Sie ſah, wie er die Hand an das Schwert legte und mit lächelndem Gruß ihr zuwinkte.

Er wird mich vertheidigen, und ehe er duldet, daß man mich in den Tower ſchleppt, wird er mir ſelber ſein Schwert in die Bruſt ſtoßen! dachte ſie, und eine fendige, triumphirende Zuverſicht erfüllte ihr ganzes

erz.

Sie ſah nichts als ihn, welcher ihr geſchworen, mit ihr zu ſterben, wenn der Moment der Entſchei⸗ dung gekommen. Sie blickte lächelnd auf dieſes Schwert, welches er halb ſchon aus der Scheide gezo⸗ gen, und ſie begrüßte es, wie einen lieben, langer⸗ ſehnten Freund.

Sie ſah nicht, daß auch Henry Howard die Hand an ſein Schwert gelegt, daß auch er zu ihrer Verthei⸗ digung bereit war, feſt entſchloſſen, den König ſelber zu tödten, bevor noch ſein Mund das Todesurtheil über die Königin geſprochen.

Aber Lady Jane Douglas ſah es. Sie verſtand es, in dem Antlitz des Grafen zu leſen; ſie fühlte, daß er bereit war, für die Geliebte in den Tod zu