Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

174

Löſe die Agraffe los! rief der König mit donnern⸗ der Stimme, nicht mehr im Stande, ſeine Wuth zu verbergen.

John Heywood neſtelte mit langſamer Hand die Agraffe von dem Bande los. Er that es mit abſicht⸗ licher Zögerung und Bedächtigkeit, er ließ den König jede ſeiner Bewegungen, jede Wendung ſeiner Finger ſehen und es ergötzte ihn, Diejenigen, welche dieſe Intrigue gewebt, in der furchtbaren Spannung und Erwartung zu erhalten.

Während er ganz arglos und unbefangen ſchien, ſein ſcharfer, ſtechender Blick über die ganze Ver⸗ ammlung hin und er bemerkte ſehr wohl die zitternde Ungeduld Gardiners und des Grafen Douglas, und es entging ihm nicht, wie bleich Lady Jane, und wie erwartungsvoll geſpannt die Züge der Herzogin von Richmond waren.

Sie ſind es, von denen dieſes Complott ausgeht! ſagte John Heywood zu ſich ſelber. Aber ich werde ſchweigen, bis ich ſie eines Tages überführen kann.

Da, hier iſt die Agraffe! ſagte er dann laut zu dem König. Sie ſaß ſo feſt in dem Bande, wie die Bosheit in dem Herzen der Pfaffen und Höflinge!

Der König riß ihm das Band aus der Hand und ſtreifte es prüfend durch ſeine Finger.

Nichts, gar nichts! ſagte er zähneknirſchend, und jetzt, in ſeinen Erwartungen und Vorausſetzungen ge⸗ täuſcht, fand er nicht mehr die Kraft, dieſem brauſen⸗ den Strom ſeines Zornes, der ſein Herz überfluthete, zu widerſtehen. Der Tiger war wieder erwacht in ihm; er hatte ruhig des Momentes geharrt, wo man das verſprochene Opfer ihm entgegen führen würde; jetzt, da es ſich ihm zu entziehen ſchien, bäumte ſein