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erſtes Sonnett geleſen. Nur der König blickte finſter vor ſich hin, nur die Königin blieb theilnahmlos und kalt.
Sie iſt eine vollendete Schauſpielerin, dachte Henry Howard in der Wuth ſeines Schmerzes. Nicht eine Muskel ihres Antlitzes zuckt, und doch mußte ſie dieſes Sonnett an die ſchönſten und heiligſten Momente unſerer Liebe erinnern.
Die Königin blieb theilnahmlos und kalt. Aber hätte Henry Howard auf Lady Jane Douglas hinüber geblickt, ſo würde er geſehen haben, wie ſie erbleichte und erröthete, wie ſie lächelte vor Entzücken und wie ſich dennoch ihre Augen mit Thränen ſüllten.
Doch Graf Surrey ſah nichts als die Königin, und ihr Anblick machte ihn erbeben vor Zorn und Schmerz. Seine Augen ſchoſſen Blitze, ſein Antlitz glühte vor Leidenſchaft, ſein ganzes Weſen war in einer verzweiflungsvollen Begeiſterung. Er hätte in dieſem Moment freudig ſein Leben zu Geraldine's Füßen ausgehaucht, wenn ſie ihn nur anerkennen, wenn ſie nur den Muth haben wollte, ihn ihren Ge⸗ liebten zu nennen.
Aber ihre lächelnde Ruhe, ihre freundliche Kälte brachten ihn zur Verzweiflung.
Er zerknitterte das Papier in ſeiner Hand; die Buchſtaben tanzten vor ſeinen Augen, er konnte nicht mehr leſen.
Aber er wollte auch nicht ſtumm bleiben. Wie der ſterbende Schwan wollte er ſeinen Schmerz in einem letzten Lied aushauchen, und ſeiner Verzweiflung und ſeiner Qual Klang und Wort geben. Er konnte nicht mehr leſen, aber er improviſirte.
Wie ein glühender Lavaſtrom floſſen die Worte


