Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

169

Erlaubt meine erhabene Königin, daß ich anfange? fragte er laut, ganz vergeſſend, daß der König ihm bereits den Befehl dazu gegeben, und daß nur Er es war, welcher eine ſolche Erlaubniß ertheilen konnte.

Katharina ſah ihn erſtaunt an. Dann aber fiel ihr Blick auf Lady Jane Douglas, welche mit flehen⸗ dem Ausdruck zu ihr herüberſchaute. Die Königin lächelte, denn ſie erinnerte ſich jetzt, daß es der Ge⸗ liebte Jane's ſei, welcher zu ihr geſprochen, und daß ſie dem armen jungen Mädchen gelobt, den gebeugten Drſen Surrey wieder aufzurichten und ihm gnädig zu ſein.

Jane hat Recht, dachte ſie, er ſieht tief niederge⸗ ſchlagen und leidend aus. Ach, es muß ſehr weh thun, denjenigen leiden zu ſehen, welchen man liebt! Ich werde alſo Jane's Bitte erfüllen, denn ſie ſagt, daß dies den Grafen wieder aufrichten könnte.

Sie neigte ſich lächelnd zu dem Grafen hin. Ich bitte Euch, ſagte ſie, verleihet unſerm Feſt den ſchön⸗ ſten Schmuck, ſchmückt es mit der duftenden Blume Eurer Poeſie. Ihr ſehet, wir glühen Alle vor Ver⸗ langen, Eure Verſe zu hören.

Der König erbebte vor Zorn, und ein zerſchmet⸗ terndes Wort ſchwebte ſchon auf ſeiner Lippe. Aber er hielt ſich zurück, er wollte erſt Beweiſe haben, er wollte ſie nicht blos angeklagt, ſondern auch verur⸗ theilt ſehen, und dazu bedurfte es der Beweiſe ihrer Schuld. 4

Henry Howard nahte ſich jetzt dem Thron des Königspaars, und mit ſtrahlenden Blicken, mit begei⸗ ſtertem Angeſicht, mit vor Erregung zitternder Stimme las er ſeine Liebeslieder an die ſchöne Geraldine.

Ein Gemurmel des Beifalls erhob ſich, als er ſein