Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Sie war ſo lieblich und ſchön, weshalb gönnte man ſie ihm nicht, weshalb ließ man ihn nicht in ſeiner ſüßen Täuſchung? Aber vielleicht war ſie auch nicht ſchuldig. Nein, ſie war es nicht. So heiter und klar iſt nicht das Auge einer Schuldigen, ſo un⸗ befangen und jungfräulich zart nicht das Weſen einer Buhlerin.

Zudem fühlte der König ſich erſchöpft und blaſirt. Selbſt der Grauſamkeit kann man überdrüſſig werden, und in dieſer Stunde fühlte Heinrich ſich ganz über⸗ ſättigt vom Blutvergießen.

Sein Herz, denn in ſolchen Momenten geiſtiger Erſchlaffung und körperlicher Abſpannung hatte der König ſogar ein Herz ſein Herz war ſchon im Begriff, das Wort der Gnade auszuſprechen, da fiel des Königs Auge auf Henry Howard, der mit ſeinem Vater, dem Herzog von Norfolk, und umgeben von einem Kreis glänzender und edler Lords, unweit vom königlichen Throne ſtand.

Der König fühlte einen tödtlichen Stich in ſeiner Bruſt, und ſeine Augen ſchoſſen Blitze hinüber nach jener Gruppe.

Wie ſtolz und impoſant die Geſtalt des edlen Grafen ſich ausnahm, wie hoch er empor ragte über alle Andern, wie edel und ſchön ſein Angeſicht, wie königlich ſeine Haltung, ſeine ganze Erſcheinung war!

Heinrich mußte ſich dies Alles eingeſtehen, und weil er's mußte, haßte er ihn.

Nein, kein Erbarmen für Katharina! Wenn es wahr, was ihre Ankläger ihm geſagt, wenn ſie ihm die Beweiſe von der Schuld der Königin geben konnten, dann war ſie verurtheilt. Und wie durfte er daran zweifeln? Hatten ſie ihm nicht geſagt, daß