Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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in der Schleife, welche die Königin dem Grafen Surrey geben würde, ein Liebesbrief von Katharina enthalten ſei, den er finden würde? Hatte Graf Surrey dies nicht geſtern in einer vertraulichen Stunde ſeiner Schweſter, der Herjobin von Richmond, mit⸗ getheilt, als er ſie zur Liebesbotin zwiſchen der Kö⸗ nigin und ihm erlaufen wollte? Hatte ſie die Königin nicht angeklagt, mit dem Grafen nächtliche Zuſam⸗ menkünfte in dem verlaſſenen Thurm zu haben?

Nein, kein Erbarmen mit ſeiner ſchönen Königin, wenn Henry Howard ihr Geliebter war.

Er mußte wieder hinüberblicken zu dem verhaßten Feind. Dort ſtand er noch immer neben ſeinem Vater, dem Herzog von Norfolk. Wie lebhaft und anmuthig ſich der alte Herzog bewegte, wie ſchlank ſeine Geſtalt und wie ſtolz und impoſant ſeine Haltung! Der König war jünger als der Herzog und doch war er an ſeinen Rollſtuhl gefeſſelt, doch ſaß er wie ein un⸗ beweglicher Koloß auf ſeinem Thron, während Jener frei und leicht ſich bewegte und nur ſeinem Willen, nicht der Nothwendigkeit gehorchte. Heinrich hätte ihn zerſchmettern mögen, dieſen ſtolzen, übermüthigen Herzog, der ein freier Mann war, während ſein König doch nichts als ein Gefangener ſeines eigenen Fleiſches, ein Sclave ſeines ſchwerfälligen Körpers war.

Ich werde es vernichten, dieſes ſtolze übermüthige Geſchlecht der Howards! murmelte der König, indem er ſich mit einem freundlichen Lächeln an den Grafen Surrey wandte.

Ihr habt uns einige Eurer Gedichte verheißen, Vetter! ſagte er. Laßt ſie uns alſo jetzt genießen, denn Ihr ſeht wohl, wie ungeduldig alle die ſchönen Damen auf Englands edelſten und groͤßten Dichter blicken und wie ſehr ſie mir zürnen würden, wenn

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