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Es iſt ſo lange her, daß wir keine verbrannt haben, und ſie werden wieder übermüthig und boshaft, wie ſie's immer waren und immer ſein werden. Ich ſehe ſogar den frommen und milden Erzbiſchof von Win⸗ cheſter, den edlen Gardiner, welcher dort drüben mit Lady Jane ſich unterhält, ſehr heiter lächeln, und das iſt ein böſes Zeichen, denn Gardiner lächelt nur, wenn er wieder eine arme Seele eingefangen und ſie ſeinem Herrn— ich meine nicht Euch, König, ſondern den Teufel— zum Frühſtück präparirt hat. Denn der Teufel iſt immer hungrig auf edle Menſchenſeelen, und wer ihm eine einfängt, dem giebt er Ablaß für ſeine Sünden auf eine Stunde. Deshalb fängt Gardiner ſo viele Seelen, denn da er jede Stunde ſündigt, be⸗ darf er jede Stunde Ablaß.
Ihr ſeid heute ſehr boshaft, John Heywood, ſagte die Königin lächelnd, während der König gedankenvoll und ſinnend zu Boden blickte.
John Heywoods Worte hatten die wunde Stelle ſeines Herzens berührt und ſein mißtrauiſches Herz unwillkürlich mit neuen Zweifeln erfüllt.
Er mißtraute nicht bloß dem Angeklagten, ſondern auch dem Ankläger, und wenn er den Einen als Ver⸗ brecher ſtrafte, mochte er auch gern den Andern als Denuncianten ſtrafen.
Er fragte ſich, welchen Zweck Graf Douglas und Gardiner gehabt, die Königin anzuklagen, und weshalb ſie ihn aus ſeiner Ruhe und aus ſeinem Zutrauen empor Gehrdat In dieſem Moment, wo er auf ſeine ſchöne Gemahlin hinblickte, welche in ſo heiterer Ruhe, unbefangen und lächelnd, neben ihm ſaß, fühlte er einen tiefen Zorn ſein Herz erfüllen, nicht gegen Ka⸗ tharina, ſondern gegen Jane, welche ſie angeklagt.


