Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 154—

denn ohne dieſe würde ich außerdem auch niemals er⸗ fahren können, wem ſie dieſelbe geben ſoll. Aber das Papier, welches in der Schleife verborgen iſt, das muß ich haben, das darf nicht darin ſein.„Wenn der König dies Papier findet, ſo iſt Katharinens Todesurtheil unterzeichnet.“ Nun, mein ehrwürdiger Prieſter des Teufels, der König wird dieſes Papier nicht finden, denn John Heywood will es nicht.— Aber wie fang' ich's an? Soll ich der Königin ſagen, was ich hörte? Nein! Sie würde ihre frohe Laune verlieren und befangen werden, und die Befangenheit wäre in den Augen des Königs der überzeugendſte Beweis ihrer Schuld. Nein, ich muß dieſes Papier aus der Shleſ nehmen, ohne daß die Königin es gewahrt. Muthig denn an's Werk! Ich muß dieſes Papier haben und dieſen Heuchlern eine Naſe drehn. Wie's gethan werden kann, das iſt mir noch nicht klar, aber ich werde es thun das iſt genug. Halloh, vor⸗ wärts zur Königin!

Mit eilfertiger Haſt lief er durch die Säle und Corridore, während er lächelnd vor ſich hinmurmelte: Gott ſei Dank, daß ich die Ehre genieße, der Narr zu ſein; denn nur der König und der Narr haben das Privilegium, unangemeldet in jedes Zimmer, ſelbſt in das der Königin, eintreten zu können.

Katharina war allein in ihrem Boudoir, als die kleine Thür, durch welche der König ſich zu ihr zu begeben pflegte, leiſe geöffnet ward.

Ach, der König kommt! ſagte ſie, der Thür zu⸗ ſchreitend, um ihren Gemahl zu begrüßen.

Ja, der König kommt, denn der Narr iſt ſchon da, ſagte John Heywood, welcher durch die geheime Thür eintrat, Sind wir allein, Königin, belauſcht uns Niemand?