Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 144—

Katharina hatte ſie zu der ewigen Qual des Entſagens, zu der Folter verurtheilt, ein Glück und ein Entzücken zu genießen, welches nicht das ihre war, an einem Feuer ſich zu durchglühen, das ſie wie eine Räuberin von eines andern Gottes Altar ſich geſtohlen.

Katharina war verdammt und verurtheilt.

Jane hatte kein Mitleid mehr. Sie mußte ſie zer⸗ ſchmettern.

Nun, fragte die Königin, Du ſchweigſt? Du ſagſt mir nicht, was ich Dir gewähren ſoll?

Lady Jane ſchlug die Augen zu ihr empor und ihr Blick war heiter und ruhig. Königin, ſagte ſie, ich begegnete im Vorſaal einem Unglücklichen, tief Ge⸗ beugten. In Eurer Hand allein ſteht es, ihn wieder aufzurichten. Wollt Ihr es thun?

Ob ich es will! rief Katharina lebhaft. Oh Jane, Du weißt wohl, wie ſehr mein Herz ſich ſehnt, zu helfen und den Unglücklichen dienſtbar zu ſein! Ach es werden an dieſem Hofe ſo viele Wunden geſchla⸗ gen, und die Königin iſt ſo arm an Balſam, ſie zu heilen! Gönne mir alſo dieſes Glück, Jane, und Du wirſt nicht mir, ſondern ich werde Dir dankbar ſein! Sprich alſo, Jane, ſprich ſchnell, wer iſt es, der mei⸗ ner Hülfe bedarf?

4 Nicht Eurer Hülfe, Königin, aber Eures Mitleids und Eurer Gnade. Graf Sudley hat den armen Grafen Surrey heute im Turnier beſiegt, und Ihr begreift, daß Euer Ober⸗Kammerherr ſich tief gebengt und gedemüthigt fühlt. 1

Kann ich das ändern, Jane? Warum läßt der träumeriſche Graf, der ſchwärmeriſche Dichter, ſich in einen Kampf ein mit einem Helden, der immer weiß, was er will, und immer das vollführt, was er will.