— 433—
konnte. Ach, ich mußte mich in dieſen thörichten Fa⸗ milienſtolz einhüllen und den Hochmuth zum Deck⸗ mantel meiner Liebe machen. Oh Geraldine, Dich würde ich wählen, wärſt Du eines Bauern Tochter; und mein Wappen hielte ich nicht geſchmäht, wenn ich um Dich einen Balken darüber hinziehen müßte — Aber horch! Es ſchlägt vier Uhr! Mein Dienſt beginnt! Lebe wohl, Geraldine, ich muß zur Königin!
Und während er ſich in ſein Toilettenzimmer be⸗ gab, um zum großen Hoffeſt ſeine Staatsgewänder anzulegen, kehrte die Herzogin von Richmond bebend und zitternd vor Zorn in ihre Gemächer zurück. Mit haſtiger Eilfertigkeit durchſchritt ſie dieſelben und begab ſich in ihr Bondoir, wo Graf Douglas ſie erwartete.
Nunè fragte er, ihr mit ſeinem ſanften, lauernden Lächeln entgegen tretend. Hat er eingewilligt?
Nein, ſagte ſie zähneknirſchend. Er ſchwört, nie⸗ mals eine Verbindung mit den Seymours eingehen zu wollen.
Ich wußte es wohl, murmelte der Graf. Und was beſchließt Ihr jetzt, Mylady?
Ich will mich rächen! Er will mich verhindern glücklich zu ſein, ich werde ihn dafür unglücklich machen!
Ihr werdet wohl daran thun, Mylady. Denn er iſt ein Abtrünniger und Meineidiger, ein treuloſer Sohn der Kirche, er neigt ſich der ketzeriſchen Sekte zu und hat den Glauben ſeiner Väter vergeſſen.
Ich weiß es! ſagte ſie athemlos..
Graf Douglas blickte ſie erſtaunt an und fuhr fort: Er iſt aber nicht blos ein Gottesleugner, ſondern auch ein Hochverräther und mehr als einmal hat er


