Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Geheimniß, welches in Deiner Bruſt ſchläft, denn Du haſt mich zu einem Vampyr gemacht, welcher Dein Herzblut ſaugen will. Du haſt meine Mutter geſchmäht, und ich werde hingehen, es ihr zu ſagen. Sie wird mir glauben, denn ſie weiß es wohl, daß Du ſie haſſeſt, und daß Du der ächte Sohn Deines Vaters biſt, das heißt, ein frömmelnder Heuchler, ein elender Menſch, welcher die Tugend auf den Lippen und das Laſter im Herzen trägt.

Höre auf, ſage ich, höre auf, rief der Graf, wenn ich nicht vergeſſen ſoll, daß Du ein Weib und meine Schweſter biſt!

Vergiß es immerhin, ſagte ſie höhniſch. Ich habe es längſt vergeſſen, daß Ihr mein Bruder ſeid, wie Ihr es längſt vergeſſen habt, daß Ihr Eurer Mutter Sohn ſeid. Lebt wohl, Graf Surrey, ich verlaſſe Euch und Euren Palaſt und werde von dieſer Stunde an bei meiner Mutter, der geſchiedenen Frau des Herzogs von Norfolk, wohnen. Aber merkt Euch dies: Wir Beide ſcheiden uns von Euch in unſerer Liebe, nicht aber in unſerm Haß! Unſer Haß bleibt Euch ewig und unveränderlich, und eines Tages wird er Euch zerſchmettern! Lebt wohl, Graf von Surrey, beim König ſehen wir uns wieder!

Sie ſtürzte der Thüre zu— Henry Howard hielt ſie nicht zurück. Er blickte ihr lächelnd nach, wie ſie das Kabinet verließ, und faſt mitleidig murmelte er: Armes Weib! Ich habe ſie vielleicht um einen Lieb⸗ haber betrogen und das wird ſie mir niemals ver⸗ eihen. Nun, mag es ſein! Möge ſie immerhin meine Peindin ſein und mich mit kleinen Nadelſtichen quälen, wenn ſie nur Ihr nicht ſchaden kann. Ich hoffe doch, daß ich mein Geheimniß gut gehütet habe und ſie den eigentlichen Urſprung meiner Weigernng nicht ahnen