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Henry! Gieb mir dies Glück, welches ich wie eine Segnung des Himmels von Dir erflehe. Beweiſe mir, daß Du mich liebſt und mir dies Opfer darzubringen Willens biſt. Henry, auf meinen Knieen beſchwöre ich Dich! Gieb mir den Mann, welchen ich liebe, beuge Dein ſtolzes Haupt, werde Margaretha Seymour's Gemahl, damit Thomas Seymour der meine werde.
Sie war wirklich auf ihre Kniee niedergeſunken und das Antlitz von Thränen überſtrömt, zauberhaft ſchön in ihrer leidenſchaftlichen Bewegung, blickte ſie flehend zu ihrem Bruder empor.
Aber der Graf hob ſie nicht empor, ſondern trat lächelnd einen Schritt zurück. Wie lange iſt es her, Herzogin, fragte er ſpöttiſch, daß Ihr ſchwurt, Euer Secretair, Herr Wilford, ſei der Mann, welchen Ihr liebtet? Wahrhaftig, ich glaubte es Euch, ich glaubte es ſo lange, bis ich Euch eines Tages in den Armen Eures Pagen fand. An jenem Tage ſchwur ich mir, niemals wieder daran zu glauben, wenn Ihr mir mit noch ſo heiligen Eiden gelobtet, daß Ihr einen Mann liebtet. Nun ja, Ihr liebt den Mann, aber welchen gilt gleich, er heißt heute Thomas, morgen Archimbald oder Eduard, wie Ihr wollt!
Zum erſten Mal zog der Graf den Schleier von ſeinem Herzen fort und ließ ſeine Schweſter all' die Verachtung und den Zorn ſehen, welchen er für ſie empfand.
Auch fühlte ſich die Herzogin von ſeinen Worten wie von einem glühenden Eiſen verwundet.
Sie ſprang von ihren Knieen empor, und mit hochfliegendem Athem, mit zornſprühenden Blicken, jede Muskel ihres Antlitzes zuckend und bebend, ſtand ſie vor ihrem Bruder da.
Heinrich VII. 2.
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