— 117.—
Aber es ſchien ihm, als ob der König auf ihn und ſeine Familie ſeinen beſonderen Groll gerichtet, als ob er es ihnen nimmer vergeben könnte, daß die Ge⸗ mahlin, welche er zumeiſt geliebt, und die ihn am bitterſten gekränkt, aus ſeinem Stamm entſproſſen ſei. In jedem Blick, in jedem Wort des Königs, fühlte und empfand Henry Seymour dieſen heimlichen In⸗ grimm des Königs, er ahnte, daß Heinrich nur auf den günſtigen Moment laure, um ihn packen und erwür⸗ gen zu können.
Er war daher auf ſeiner Hut. Denn jetzt, wo Geraldine ihn liebte, gehörte ſein Leben nicht ihm allein mehr an, ſie liebte ihn, ſie hatte ein Recht auf ihn, ſeine Tage waren daher geheiligt vor ihm ſelber.
Er hatte alſo zu allen dieſen kleinlichen Kränkun⸗ gen und Tracaſſerien des Königs geſchwiegen, er hatte es ſogar ohne Murren und ohne eine Genugthuung zu fordern, hingenommen, daß der König ihn plötzlich von der Armee, welche gegen Frankreich kämpfte, und deren Befehlshaber er geweſen, zurückgerufen und an ſeiner Statt den Lord Hertfort, Grafen von Sudley, zur Armee, welche vor Boulogne und Montreuil la⸗ gerte, geſchickt hatte. Er war ſtill und ohne Groll in ſei⸗ nen Palaſt zurückgekehrt; und da er nicht mehr Feldherr und Krieger ſein konnte, war er wieder ein Gelehrter und Dichter geworden. Sein Palaſt war jetzt wieder der Sammelplatz der Gelehrten und Schriftſteller Eng⸗ land's, und mit wahrhaft fürſtlicher Freigebigkeit war er ſtets bereit, dem unterdrückten und geſchmäheten Talent hülfreich zu ſein, dem verfolgten Gelehrten ein Aſyl in ſeinem Palaſt zu gewähren. Er war es, welcher den Gelehrten Fox vom Hungertode errettete und ihn in ſein Haus aufnahm, wo Horatius Ju⸗ nius ſchon als ſein Arzt, und der ſpäter ſo berühmte


