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Luſt und Entſetzen; ich liebe Dich, wie meinen Dämon und meinen Engel, ich zürne Dir, weil Du ſo ganz den Stolz meines Herzens gebrochen, ich fluche Dir, weil Du mich ganz zu Deiner Sclavin gemacht, und im nächſten Moment falle ich auf meine Kniee und flehe zu Gott, daß er mir dieſen Frevel gegen Dich vergeben möge. Ich liebe Dich, ſage ich, nicht wie ddieſe weichmüthigen, ſanften Frauen lieben, mit einem KLächeln auf der Lippe, ſondern mit Wuth und Ver⸗ zweiflung, mit Eiferſucht und Zorn. Ich liebe Dich ſo, wie mein Vater Anna Boulen liebte, welche er in dem Haß ſeiner Liebe und dem grauſamen Zorn ſeiner Eiferſucht auf das Schaffot ſteigen ließ, weil man ihm geſagt, ſie ſei ihm ungetren. Ach, hätte ich die Macht, ich würde thun, wie es mein Vater ge⸗ than, ich würde Euch ermorden, wenn Ihr es wagen 3 wolltet, mich einſt nicht mehr zu lieben. Und jetzt, Thomas Seymour, jetzt ſagt, ob Ihr den Muth habt, mich verlaſſen zu wollen?
Sie ſah bezaubernd aus in dieſer flammenden Gewalt ihrer Leidenſchaft, ſie war ſo jung, ſo glühend; und Thomas Seymour war ſo ehrgeizig! In ſeinen Augen war Eliſabeth nicht bloß das ſchöne, reizende Mädchen, welches ihn liebte, ſie war mehr als das: ſie war die Tochter Heinrichs des Achten, die Prin⸗ zeſſin von England, vielleicht einſt die Erbin des Thrones. Freilich hatte ihr Vater ſie enterbt, und durch eine Parlamentsacte ſie der Thronfolge für un⸗ würdig erklärt*). Aber Heinrichs ſchwankender Sinn konnte ſich wenden, und die verſtoßene Prinzeſſin konnte einſt Königin werden.
Daran dachte der Graf, als er Eliſabeth anſchaute,
* Burnet Vol. I pag. 138.


