Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Nein, nicht Eure Geliebte, aber ſie wird ſehr bald Eure Gemahlin ſein!

Sie wird niemals meine Gemahlin werden!

Und weshalb nicht?

Weil ich ſie nicht liebe, Prinzeſſin!

Ein Strahl der Freude flog über Eliſabeths blei⸗ ches, erregtes Angeſicht. Weshalb nennt Ihr mich Prinzeſſin? fragte ſie.

Weil Ihr als Prinzeſſin gekommen ſeid, Eurem armen Diener eine Audienz zu bewilligen. Ach, es hieße aber Eure fürſtliche Gnade zu ſehr mißbrauchen, wollte ich dieſe Audienz noch länger ausdehnen. Ich ziehe mich daher zurück, Prinzeſſin!

Und er näherte ſich wieder der Thür. Aber Eli⸗ ſabeth ſtürzte ihm nach, und mit beiden Händen ſeine Arme packend, ſtieß ſie ihn wild zurück.

Ihre Augen ſchoſſen Blitze, ihre Lippen zitterten, eine leidenſchaftliche Gluth ſprach aus ihrem ganzen Weſen. Jetzt war ſie die ächte Tochter ihres Vaters, rückſichtslos und leidenſchaftlich in ihrem Zorn, zer⸗ ſchmetternd in ihrer Wildheit.

Du ſollſt nicht gehen, murmelte ſie mit feſt aufeinander gepreßten Zähnen. Ich will nicht, daß Du gehſt! Ich will nicht, daß Du länger mit

dieſem kalten. lächelnden Geſicht mir gegenüber

ſtehſt! Schilt mich, mache mir die heftigſten Vor⸗ würfe, weil ich es gewagt, ſo lange Dir zu trotzen, fluche mir, wenn Du es kannſt. Nur nicht dieſe lächelnde Ruhe. Sie tödtet mich, ſie bohrt ſich, wie ein Dolch in mein Herz ein. Denn Du ſtehſt es wohl, ich habe nicht mehr die Kraft, Dir zu wider⸗ ſtehen, Du ſiehſt es wohl, daß ich Dich liebe. Ja, ich liebe Dich, mit Entzücken und Verzweiflung, mit

Heinrich VIII. 2. 7