— 96—
ſtolzes und kaltes Herz empörte ſich dagegen, daß die⸗ ſes Kind ihm zu trotzen verſuchte.
Er wollte ſie demüthigen, er wollte ſie zwingen,
ſich vor ihm zu beugen und um ſeine Liebe, wie um ein Gnadengeſchenk zu flehen.
Er verneigte ſich daher tief vor der Prinzeſſin und ſagte ehrfurchtsvoll: Hoheit, es iſt wahr, ich habe Ench oft um eine Audienz gebeten, aber Ihr habt ſie mir ſo lange verweigert, daß ich zuletzt nicht mehr den Muth fand, ſie zu begehren, und meine Wünſche ſchweigen ließ und mein Herz verſtummen machte. Sucht daher jetzt, wo dieſe Schmerzen überwunden ſind, nicht, dieſelben wieder zu erwecken. Mein Herz ſoll todt, meine Lippe ſtumm bleiben. Ihr habt es ſo gewollt, und ich habe mich Eurem Willen unter⸗ worfen. Lebt alſo wohl, Prinzeſſin, und mögen Eure Tage glücklicher und heiterer ſein, wie die des armen Thomas Seymour!
Er verneigte ſich tief vor ihr und ging dann lang⸗ ſam der Thür zu. Schon hatte er ſie geöffnet und wollte hinaus treten, da legte ſich plötzlich eine Hand auf ſeine Schulter und zog ihn mit heftigem Ungeſtüm zurück in das Gemach..
Ihr wollt gehen? fragte Eliſabeth mit fliegendem Athem und zitternder Stimme. Ihr wollt mich ver⸗ laſſen, und, meiner ſpottend, wollt Ihr vielleicht jetzt zur Herzogin von Richmond, Eurer Geliebten, gehen, und ihr mit Hohnlachen erzählen, daß Prinzeſſin Eli⸗ ſabeth Euch eine Zuſammenkunft bewilligt, und daß Ihr ihrer geſpottet habt?
Die Herzogin von Richmond iſt nicht meine Ge⸗ liebte! ſagte der Graf ernſt.


