ſeines Fleiſches machte. Wie hoch auch ſeine Gedanken
fliegen, der König bleibt doch ein ſchwerfälliges, ge⸗
bundenes, kraftloſes Menſchenkind; wie ſehr ihn auch
ſein Gewiſſen plagt mit Unruhe und Angſt, er muß doch ruhig ſein und ausharren, er kann ſeinem Ge⸗
wiſſen nicht entlaufen, Gott hat ihn gefeſſelt durch
das Fleiſch.
Der König ſchläft! Aber die Königin nicht, und Bane Douglas nicht, und auch Prinzeſſin Eliſabeth nicht. 3 Sie hatte mit hochklopfendem Herzen gewacht; ſie war ruhelos und in ſeltſamer Befangenheit in ihrem Zimmer auf und ab gegangen, der Stunde harrend, welche ſie zum Rendezvous beſtimmt hatte. Jetzt war dieſe Stunde da. Eine glühende Purpurröthe überflog das Antlitz der jungen Prinzeſſin, und ihre Hand zitterte, als ſie das Licht nahm und die geheime Thür zu dem Corridor öffnete. Einen Moment ſtand ſie zögernd ſtill, dann ſchämte ſie ſich ihrer Unent⸗ ſchloſſenheit und ging über den Corridor dahin und die kleine Treppe hinauf, die in das Thurmzimmer führte. Mit einer haſtigen Bewegung ſtieß ſie die Thür auf und trat in das Zimmer. Sie war am Ziel und Thomas Seymour iſt ſchon da.
Wie ſie ihn ſah, überkam ſie ein unwillkürliches Bangen, und zum erſten Mal ward ſie ſich jetzt ihres gewagten Schrittes bewußt.
Als Seymour, der junge, feurige Mann, ihr mit idenſchaftlicher Begrüßung nahete, trat ſie ſcheu zu⸗ und wehrte ſeine Hand von ſich.
Wie, Ihr wollt mir nicht vergönnen, Eure Hand zu küſſen? fragte er, und ſie glaubte auf ſeinem Ant⸗ litz ein leiſes, ſpöttiſches Lächeln zu gewahren. Ihr macht mich zu dem Glücklichſten der Sterblichen, in⸗


