Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 91—

kew, auf ihre Kniee niederfallend und ihre Hände emporſtreckend. Vater im Himmel, ſie wollen Dir Dein Kind entreißen und mein Herz Dir entfremden! Sie führen mich in Verſuchung und verlocken mich mit ihrer Rede! Beſchütze mich, mein Vater, mache mein Ohr taub, daß ich ſie nicht höre! Gieb mir ein Zeichen, daß ich Dein bin, daß Niemand mehr Gewalt über mich hat, als Du allein! Ein Zeichen, Vater, daß Du mich rufſt!

Und als habe Gott wirklich ihr Gebet erhört, ver⸗ nahm man jetzt ein lautes Klopfen an der äußern Thür, und eine Simme rief: Marie Askew, wache auf und halte Dich bereit! Der Großkanzler und der Erzbiſchof von Wincheſter kommen Dich abzuholen!

Ach, die Folter! ächzte Katharina, indem ſie ſchau⸗ dernd ihre Hände vor ihr Antlitz ſchlug.

Ja, die Folter! ſagte Marie mit einem ſeligen Lächeln. Gott ruft mich!

John Heywood hatte ſich der Königin genähert und faßte heftig ihre Hand. Ihr ſeht, es iſt umſonſt, ſagte er dringend. Eilt alſo, Euch ſelbſt zu retten! Eilt, dieſes Gefängniß zu verlaſſen, bevor die Thür ſich dort öffnet.

Nein, ſagte Katharina feſt und entſchieden, nein, ich bleibe! Sie ſoll mich nicht an Muth und Seelen⸗ deüße übertreffen. Sie will ihren Gott nicht ver⸗ eugnen, nun denn, auch ich werde von meinem Gott ein Zeugniß geben. Ich werde meine Augen nicht ſchamvoll vor einem jungen Mädchen zu Boden ſchla⸗ gen; gleich ihr werde ich frei und offen meinen Glau⸗ ben bekennen, gleich ihr werde ich ſagen: Gott allein iſt ſeiner Kirche Herr, Gott—