Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 35—

bin, in der Dunkelheit und Niedrigkeit zu leben, ſo ſoll man es mir mindeſtens nicht verwehren, mir dieſe dunkle und ruhmloſe Exiſtenz mit Blumen zu ſchmücken, welche nicht zu den Füßen des Thrones gedeihen, und ſie wie mit Sternen zu erleuchten, welche glänzender ſind, wie der Glanz der ſtrahlendſten Königskrone!

Oh, Ihr irrt Euch über Euch ſelber! ſagte John Heywood traurig. Ihr wählt nur das Eine, weil Euch das Andere verſagt iſt, Ihr wollt nur lieben, weil Ihr nicht herrſchen könnt, und da Euer Herz, welches dürſtet nach Ruhm und Ehre, keine andere Befriedigung finden kann, ſo wollt Ihr ſeinen Durſt mit einem andern Trank ſtillen, und wollt ihm die Liebe als Opium darreichen, mit welchem es ſeine brennenden Schmerzen zur Ruhe lullt. Glaubt mir, Prinzeſſin, Ihr kennt Euch ſelbſt noch nicht! Ihr ſeid nicht gebsren, um nur eine liebende Gattin zu ſein, und Eure Stirn iſt viel zu hoch und ſtolz, um nur eine Myrthenkrone zu tragen. Ueberlegt daher wohl, was Ihr thut, Prinzeſſin! Laßt Euch nicht hin⸗ reißen von dem leidenſchaftlichen Blut Eures Vaters, das auch in Euren Adern tobt. Bedenkt Euch wohl, ehe Ihr handelt! Noch ſteht Euer Fuß auf einer Stufe des Throns. Zieht ihn nicht freiwillig zurückl Behauptet Euren Platz, dann bringt der nächſte Schritt Euch wiederum eine Stufe vorwärts. Entſagt nicht freiwillig Euren gerechten Anſprüchen, ſondern harret aus in Geduld, bis der Tag der Vergeltung und der Gerechtigkeit kommt. Nur macht es nicht ſelber un⸗ möglich, daß Euch alsdann eine volle und glänzende Genugthuung werde. Prinzeſſin Eliſabeth kann immer noch eines Tages Königin werden, vorausge⸗ ſetzt, daß ſie ihren Namen nicht für einen minder glorreichen und hohen eingetauſcht habe.

3*