Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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trauen, und nur mit zitternder Hand es wagt, den Schleier fortzuziehen, welcher ihr Herz verhüllt.

John Heywood, ſagte ſie, Ihr habt mir oft geſagt, daß Ihr mich liebt, und ich weiß, daß meine arme und unglückliche Mutter Euch vertraute und Euch als Zeugen ihrer Unſchuld anrief. Ihr konntet damals die Mutter nicht retten, wollt Ihr aber jetzt der Tochter Anna Boulen's dienen, und ihr ein treuer Freund ſein?

„Ich will es, ſagte Heywood feierlich, und ſo wahr ein Gott über uns iſt, Ihr ſollt mich niemals als einen Verräther finden.

Ich glaube Euch, John, ich weiß, daß ich Euch vertrauen darf. Hört alſo, ich werde Euch jetzt mein Geheimniß ſagen, ein Geheimniß, welches, außer Gott, Niemand kennt, und deſſen Verrath mich auf das Schaffot führen könnte. Wollt Ihr mir alſo ſchwören, Niemand, unter welchem Vorwande und aus welcher Abſicht es auch ſei, auch nur ein Wort von dem zu verrathen, was ich Euch jetzt ſagen werde, wollt Ihr mir ſchwören, ſelbſt auf Eurem Sterbebette dieſes Geheimniß Niemand anzuvertrauen, und ſelbſt in der Beichte es nicht zu verrathen?

Nun, was das anbetrifft, Prinzeſſin, ſagte John lachend, ſo ſeid Ihr vollkommen ſicher. Ich beichte niemals, denn die Beichte iſt eine würzige Speiſe des Pfaffenthums, an welcher ich mir ſeit lange den Magen verdorben habe, und was mein Sterbebette anbelangt, ſo kann man unter der geſegneten und frommen Re⸗ gierung Heinrichs des Achten durchaus nicht wiſſen, ob man eines ſolchen auch wirklich theilhaftig wird, oder ob man nicht die weit ſchnellere und bequemere Reiſe in die Ewigkeit mit des Henkers Hülfe macht.

Heinrich VIII. 2. 3