Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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die junge Prinzeſſin Eliſabeth, die mit haſtigen Schritten auf ihn zueilte.

Sie war ſehr ſchön in dieſem Augenblick. Ihre Augen leuchteten in einem leidenſchaftlichen Feuer, ihre Wangen glühten, und um ihre ſchmalen purpur⸗ rothen Lippen ſpielte ein leiſes, glückliches Lächeln. Der Mode jener Zeit gemäß, trug ſie ein engan⸗ ſchließendes, bis zum Halſe hinaufgehendes Gewand, welches genau die zarten Linien ihrer ſchlanken und jugendlichen Formen wiedergab, während der breite, aufſtehende Kragen die etwas zu große Länge ihres Halſes verhüllte und ihr friſches, faſt noch kindiſches Geſicht wie aus einem Piedeſtal hervorſteigen ließ. Zu beiden Seiten ihrer hohen, gedankenreichen Stirn fielen hellblonde Locken in üppigſter Fülle nieder; ihr Haupt war bedeckt mit einem ſchwarzen Sammetbaret von dem eine weiße Feder ſich bis auf die Schulter niederſenkte. 3

Es war eine durchauns anmuthige und liebliche Erſcheinung, voll Adel und Grazie, voll Feuer und Energie, und doch, trotz ihrer Jugendlichkeit einer ge⸗ wiſſen Hoheit und Würde nicht entbehrend. Eliſabeth, obwohl faſt noch ein Kind, und vom Unglück vielfach gebeugt und gedemüthigt, war dennoch immer die echte Tochter ihres Vaters geblieben, und obwohl Heinrich ſie für einen Baſtard erklärt und von der Thronfolge ausgeſchloſſen hatte, trug ſie doch den Stempel ihres königlichen Blutes auf der hohen, ſtolzen Stirn, in den ſcharfen, blitzenden Augen.

Wie ſie jetzt vor John Heywood ſtand, war ſie indeß nicht die ſtolze, gebieteriſche Prinzeſſin, ſondern nur die ſchüchterne, erröthende Jungfrau, welche zagt, ihr erſtes Mädchengeheimniß fremden Ohren anzuver⸗