Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Armer König, dem ſeine Beleibtheit verbietet zu tanzen, wie er es einſt ſo gern und mit ſo vielem Geſchick gethan! Armer König, dem ſein Alter ver⸗ bietet zu ſingen, wie er es einſt zum Entzücken ſeines Hofes ſo gern gethan!

Aber immer doch giebt es noch ſchöne, köſtliche und genußreiche Stunden, wo der Menſch noch ein wenig wieder auflebt in dem König, wo die Jugend noch einmal wieder die Augen aufſchlägt in ihm ſelber un n anlächelt mit einigen holden und ſeligen

reuden.

Der König hat mindeſtens noch Augen, um die Schönheit zu ſehen, ein Herz, um ſie zu empfinden.

Wie ſchön Lady Jane iſt, dieſe weiße Lilie mit den dunklen Sternenaugen, wie ſchön Lady Richmond, dieſe volle Purpurroſe mit den weißen Perlenzähnen! Unr ſie lächeln ihm Beide, und wenn der König ihnen ſchwört, daß er ſie liebe, ſo ſchlagen ſie ver⸗ ſchämt die Augen nieder und ſeufzen.

Seufzt Ihr, Jane, weil Ihr mich liebt?

Oh Sire, Ihr ſpottet meiner. Es wäre ein Ver⸗ brechen, wenn ich Euch liebte, denn Königin Katha⸗ rina lebt.

Ja, ſie lebt! murmelte der König und ſeine Stirn verfinſterte ſich, und das Lächeln verſchwand einen Augenblick von ſeinen Lippen.

Lady Jane hatte einen Fehler begangen. Sie hatte den König an ſein Weib erinnert, als es noch zu früh war, zugleich um ihren Tod zu bitten.

John Heywood las das auf dem Angeſichte ſeines königlichen Herrn und beſchloß Vortheil davon zu ziehen. Er wollte die Aufmerkſamkeit des Königs zer⸗ ſtreuen und von den ſchönen, verführeriſchen Damen