Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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einen heiligen Mantel über ſein eigenes laſtervolles und unkeuſches Leben zu legen, und den nichts mehr erbitterte, als einen Anderen auf dieſen Pfaden des Laſters zu begegnen, welche er ſelber, kraft ſeiner Kö⸗ nigsherrlichkeit und ſeiner Krone von Gottes Gnaden, ganz ungefährdet gehen konnte. 4

Wenn er das thut, ſo iſt er ein Hochverräther; mein Rächerarm wird ihn treffen! wiederholte der König noch einmal. Ich bin es, welcher die ſechs Artikel als heiliges Glaubens⸗Edict meinem Volke gegeben hat, und ich werde es nicht dulden, daß man dieſe einzig wahre und richtige Lehre angreife und verdunkle. Aber Ihr irrt Euch, Mylords! Ich kenne Cranmer, und ich weiß, daß er getreu iſt und gläubig.

Und doch iſt er es, ſagte Gardiner, welcher dieſe Ketzer in ihrer Verſtocktheit und ihrer Halsſtarrigkeit beſtärkt, er, welcher macht, daß dieſe Verdammten nicht aus Furcht vor dem göttlichen Zorn wenigſtens zu Euch, ihrem Oberherrn und Oberprieſter zurückkehren. Denn er predigt ihnen, daß Gott die Liebe und das Erbarmen ſei, er lehrt ſie, daß Chriſtus in die Welt gekommen, um der Welt die Liebe und die Vergebung der Sünden zu bringen, und daß Diejenigen allein Chriſti rechte Jünger und Diener ſeien, welche ihm nacheiferten in Liebe. Sehet Ihr denn nicht, Sire, daß dies eine geheime und verſteckte Anklage gegen Euch ſelber iſt, und daß, indem er die verzeihende Liebe preiſt, er zugleich Euren gerechten und ſtrafenden Zorn verdammt und anklagt?

Der König antwortete nicht ſogleich, ſondern blickte

ernſt und nachdenkend vor ſich nieder. Der fanatiſche Prieſter war zu weit gegangen, und ohue es zu wiſ⸗