Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

haben mir geſagt, wie es in meinem Reiche ſteht. Ihr werdet mir berichten, wie es an meinem Hofe ausſieht!

Sire! ſagte Graf Douglas langſam und feierlich, denn er wollte, daß jedes Wort ſich wie ein vergif⸗ teter Pfeil in die Bruſt des Königs einſenke, Sire, das Volk folgt nur dem Beiſpiel, welches der Hof ihm giebt. Wie könnt Ihr fordern, daß das Volk glaube, wenn es ſieht, wie Euer Hof ſelber des Glaubens ſpottet, und die Ungläubigen Helfer und Schutzherren am Hofe finden?

Ihr klagt an, aber Ihr nennt keine Namen, ſagte der König ungeduldig. Wer wagt es, an meinem Hofe der Schutzherr der Ketzer zu ſein?

Cranmer, der Erzbiſchof von Canterbury! ſagten die drei Männer, wie aus einem Munde.

Das Loſungswort war geſprochen, die Standarte des blutigen Kampfes war aufgepflanzt.

Cranmer? wiederholte der König ſinnend. Er iſt indeß mir immer ein treuer Diener und ſorgſamer Freund geweſen. Er war es, welcher mich einſt von dieſer unheiligen Ehe mit Katharina von Arragonien befreite, er war es auch, der mich vor Katharina Howard warnte und mir die Beweiſe ihrer Schuld brachte. Und welches Verbrechens klagt Ihr ihn an?

Er leugnet die ſechs Artikel, ſagte Gardiner, deſſen tückiſches Geſicht jetzt von einem finſteren Haſſe flammte. Er verdammt die Ohrenbeichte und glaubt nicht, daß die freiwillig abgelegten Gelübde der Keuſchheit bin⸗ dend ſind..

Wenn er das thut, ſo iſt er ein Hochverräther! rief der König, der es liebtè, die Ehrfurcht vor der Keuſchheit und Züchtigkeit immer gewiſſermaßen als