Da war zuerſt der König, dieſer Mann mit dem Proteus⸗Angeſicht, durch welches Sturm und Son⸗ nenſchein, Gott und Teufel in jeder Minute neue Linien zogen, der eben ein gottbegeiſterter Schwärmer, dann ein blutgieriger Tyrann, eben ein empfindſamer Schöngeiſt, dann ein üppiger Schwelger ſein konnte. Der König, auf deſſen Treue Niemand, ſogar er ſel⸗ ber nicht, bauen konnte, der immer bereit war, wenn es ſeiner Laune oder ſeinem Vortheil gemäß war, ſeine treueſten Freunde zu verrathen, und Diejenigen heute auf das Blutgerüſt zu ſchicken, welche er geſtern noch geküßt und ſeiner unwandelbaren Liebe verſichert hatte. Der König, welcher ſich berechtigt hielt, ſeinen eigenen kleinlichen Gelüſten, ſeinen rachedurſtigen Trie⸗ ben, ſeinen blutgierigen Neigungen ungeſtraft folgen zu können, und der aus Eitelkeit fromm war, weil die Frömmigkeit ihm Gelegenheit gab, immer ſein eigenes Ich mit Gott zu indentificiren und ſich gewiſ⸗ ſermaſſen als den Schutzherrn Gottes zu betrachten.
Da war Graf Douglas, der verſchlagene Höfling mit dem ſtets lächelnden Geſicht, der Jedermann zu lieben ſchien, weil er Alle haßte, der ſich den Anſchein vollkommener Harmloſigkeit gab und für alle Dinge, außer dem Vergnügen, gleichgültig ſchien, während er doch ganz insgeheim alle Fäden dieſes großen Netzes, mit welchem der Hof und der König ſelber umgeben war, in Händen hielt. Graf Douglas, den der König nur deshalb liebte, weil er ihn immer wie⸗ der den erhabenen und weisheitsvollen Oberprieſter der Kirche nannte, und der dennoch der Stellvertreter Loyola's und der treue und gläubige Anhänger dieſes Papſtes war, welcher den König als einen entarteten Sehn verdammt und dem Zorne Gottes überliefert
atte...


