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Alle Herren erhoben ſich und nahmen ihre Gläſer; nur Graf Kalk⸗ reuth ſelber fühlte nicht die Kraft dazu. Er ſaß ganz zuſammengeſun⸗ ken, das Haupt vornüber geneigt, da, als ſchäme er ſich, ſein bleiches, entſtelltes Antlitz zu zeigen. Das Klirren der Gläſer klang in ſeinen Ohren wie das Hohngelächter ſpottender Geiſter, und er hätte ſterben mögen, um ihm zu entgehen. Ihm gegenüber ſaß Prinzeſſin Wilhel⸗ mine; ſie hatte ihn bis jetzt nicht ein einziges Mal angeſehen, aber jetzt ſchaute ſie zu ihm hin, mit einem Blick voll unausſprechlichen Jammers, dann hob ſie raſch ihr Glas empor, aber es war nicht Wein, was ſie trank, ſondern es waren ihre eigenen Thränen, die niederfielen in das leere Glas.
Der Prinz hob die Tafel auf und führte ſeine Gemahlin wieder in den großen Saal zurück. Er ſtand noch neben ihr, als Graf Kalkreuth ſich ihnen näherte. Ringsum ſtand die Hofgeſellſchaft und Aller Blicke waren mit geſpannter Aufmerkſamkeit auf dieſe Gruppe gerichtet, welche in der Mitte des Saals ſtand.
Graf Kalkreuth war noch immer bleich und faſt haltungslos, er näherte ſich mit ſchwankenden, unſicheren Schritten dem fürſtlichen Paar.
Prinz Heinrich lachte laut auf, und ſich halb umwendend zu den übrigen Gäſten, rief er: ſehen Sie nur, welche ſeltſame Wirkungen die Freude auszuüben vermag. Sie hat unſern heitern Grafen ganz ver⸗ wandelt und er iſt plötzlich ernſt geworden, als wäre ſeine Ernennung nicht eine neue Würde, ſondern eine Degradation!
Niemand hatte ein Wort der Erwiderung auf die Bemerkung des Prinzen, und inmitten der allgemeinen, tiefen Stille ſagte der Graf end⸗ lich: Ich komme, mich bei Ihren Königlichen Hoheiten zu verabſchieden und in das Exil zu gehen, in welches mich die Gnade Sr. Majeſtät verbannt hat. Denn, obwohl es eine Rangerhöhung iſt, mein Prinz, werden Sie mir wohl erlauben müſſen zu ſagen, daß ich ins Exil gehe, da ich in Königsberg Sie, mein Prinz, nicht mehr ſehen werde. Ich werde indeſſen Ihr Bild in meinem Herzen mit mir forttragen und dort wird es ewig leben!
Wir wollen uns den Abſchied nicht ſchwer machen durch ſchöne Worte, ſagte Prinz Heinrich, das letzte Wort betonend. Küſſen Sie


