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Der Prinz heftete ſeine großen, durchdringenden Augen mit einem unausſprechlichen Ausdruck auf des Grafen bleiches, erregtes Angeſicht,
— aber er ſprach kein Wort. Mit ſtolzer Ruhe ſchritt er vorwärts,
vorüber an dem Grafen, um dann mit einem heitern Scherzwort den eben ſich ihm nähernden Prinzen Friedrich Wilhelm zu begrüßen.
Und jetzt wurden die Thüren zu dem großen Speiſeſaal geöffnet und man begab ſich zu der reich beſetzten Tafel, an deren oberem Ende der Prinz neben ſeiner Gemahlin ſaß. Unfern von ihnen Beiden fand der Graf ſeinen Platz. Mehr als zwei Stunden hatte er die Marter auszuſtehen, dem Prinzen ſo nahe zu ſein und nicht ein einziges Mal das Wort an ſich gerichtet zu ſehen, mehr als zwei Stunden fühlte er ſich den neugierigen, beobachtenden, boshaft lächelnden Blicken der Hof⸗ leute ausgeſetzt, welche mit ſtiller Wonne dieſe ſtumme Scene zwiſchen dem Prinzen und ſeinem einſtigen Freunde, dieſe Demüthigung des ſtolzen Grafen wahrzunehmen ſchienen.
Endlich ſollte dieſe Marter zu Ende gehen, endlich war man beim Deſſert angelangt, und man erwartete nur noch das Zeichen des prinz⸗ lichen Paares, um ſich von der Tafel zu erheben. Aber bevor der Prinz daſſelbe gab, nahm er ſein Glas, und indem er ſich erhob, ſagte er mit lauter Stimme: Jetzt habe ich meinen Gäſten noch eine angenehme Nach⸗ richt zu ſagen, denn da Sie Alle des Grafen Kalkreuth Freunde ſind, wird es Sie intereſſiren, eine für ihn freudige Nachricht zu vernehmen.
Seine Majeſtät der König hat den Obriſtlieutenant Grafen Kalkreuth
zum commandirenden General des Cavallerie⸗Regiments Prinz Friedrich, welches in Preußen ſteht, ernannt, und mir hat der König aus beſon⸗ derer Gunſt, und weil er meine innige und treue Freundſchaft für Sie kennt, mir hat der König erlaubt, Ihnen dieſe Ernennung zu verkündi⸗ gen; nur werden wir Sie durch dieſe Rangerhöhung verlieren, denn Sie ſollen heute noch zu Ihrem Armeecorps abgehen, und Se. Majeſtät be⸗ fiehlt, daß, ſobald wir hier die Tafel verlaſſen haben, Sie ſich zu ihm nach Sansſouci verfügen, um ſich von Sr. Majeſtät zu verabſchieden und dann ſogleich abzureiſen. Und jetzt, meine Herren, nehmen Sie Ihre Gläſer und laſſen Sie uns anſtoßen auf das Wohl des Herrn Generals von Kalkreuth!


